Du betrachtest gerade Südafrika – Kilometer fressen bis Namibia

Vorbei an den Cederberg Mountains nach Klawer

Datum16.06.2026 – Tag 69
StartHout Bay
ZielKlawer
gefahrene Kilometer313 km
Kilometerstand65826 km

Ich hatte eine furchtbare Nacht. Ich weiß nicht warum, doch ich konnte erst nach 2:00 Uhr einschlafen und wachte mehrmals in der Nacht auf. So stand ich dann um 8:45 Uhr nach kaum mehr als 6 Stunden Schlaf auf. Heute konnte ich ja nicht länger liegen bleiben, da ich bis 10:00 Uhr aus dem Apartment raus sein musste, was ich letztlich allerdings nicht schaffte. War aber zum Glück nicht schlimm, da es keine direkten Nachmieter gab.

Ich machte mir einen Kaffee und ein Brötchen zum Frühstück. Dabei dachte ich noch, dass ich später die Butter und den Käse nicht im Kühlschrank vergessen dürfte. Spoileralarm… Ich habe sie natürlich doch vergessen.

Nach dem Frühstück packte ich mein Motorrad und wickelte die neuen Reifen in Klarsichtfolie ein, damit sie in den nächsten Tagen bis Namibia nicht so verdrecken.

Ich verstaute alles auf dem Motorrad und als letztes kamen die Reifen drauf. 

Sie hielten zwar ganz gut, doch was ich nicht bedacht hatte war, dass ich jetzt während der Fahrt weder an mein Topcase noch an meine Koffer ran kommen könnte. Egal. Anders ging es nun mal nicht.

Ich verabschiedete mich von Andreas und als ich von dem etwas abschüssigen Parkplatz los fahren wollte hatte ich das Motorrad fast umgeschmissen. Die schweren Reifen so hoch oben machten sich deutlich stärker bemerkbar als ich dachte.

Doch ich schaffte es ohne Sturz bis auf die Hauptstraße. Ab hier ging es fast nur noch geradeaus. Bei Kapstadt hatte ich mich zwar kurzfristig verfahren, doch sobald ich die N7 erreichte, musste ich erst an meinem Zielort Klawer wieder abbiegen.

Die Fahrt ging durch eine schöne Gegend vorbei an den Cederberg Mountains. Dort wäre ich gerne ein paar Tage geblieben, doch zum einen hatte ich keine Zeit und zum anderen hatte ich vor ein paar Tagen aus meiner Motorrad WhatsApp Gruppe erfahren, dass die meisten Straßen in der Gegend gesperrt seien. Immer noch Nachwehen der heftigen Regenfälle der letzten Wochen.

So machte ich lediglich nach 150 Kilometern, ziemlich genau auf halber Strecke, eine Pause an einem Café an einer Tankstelle. Dort gab es eine Hühnchen-Pilz Pastete und einen Cappuccino.

Meine Unterkunft in Klawer erreichte ich gegen 16:15 Uhr. Ich bezog mein riesiges Familienzimmer und packte meine Sachen aus. Dann fuhr ich direkt weiter um etwas einzukaufen. Leider gab es hier keinen der großen Supermärkte mit warmem Essen. So hielt ich an einem U-Save um mir wenigstens Wasser und Milch für’s Müsli am nächsten Morgen zu kaufen.

Auf dem Parkplatz fragte mich ein junger Mann, ob ich ihm im Supermarkt etwas Brot kaufen könnte. Normalerweise bis ich bei Bettlern ja immer etwas zurückhaltend, doch der machte mir den Eindruck, dass er es wirklich nötig hatte. Zumal er nicht nach Geld, sondern direkt nach Brot fragte. 

Leider gab es keine Bäckerei in dem Supermarkt, so dass ich ihm lediglich eine Packung Sandwichbrot mitbringen konnte. Ich finde das Brot ja ziemlich widerlich, doch es war das einzige das es hier gab. Und kaum hatte ich es ihm gegeben, machte er die Packung auf und stopfte sich eine Scheibe nach der anderen rein, so als hätte er seit Tagen nichts gegessen.  Diese Armut ist etwas an das ich mich nirgendswo gewöhnen kann. Und es ist auch der Grund weshalb ich an Bettlern normalerweise vorbei gehe. Wenn man nämlich solche Szenen sieht, dann merkt man erst wir kaputt die Welt eigentlich ist und fragt sich, ob es moralisch überhaupt in Ordnung ist eine solche Reise zu machen. Für das Geld, das ich in Südamerika, Indien und Südafrika ausgegeben habe, hätte ich in manch einem afrikanischen Land gleich mehrere Schulen und Kindergärten bauen können. Stattdessen gebe ich es für mein persönliches Vergnügen aus.

Naja, als ich sah, wie glücklich der Junge mit dem Brot war, gab ich ihm auch noch einen Johghurt, den ich eigentlich für mich gekauft hatte. Er strahlte und bedankte sich. 

Dann kam eine junge Frau mit einem Kind auf dem Arm. Zuerst dachte ich, sie wollte auch betteln, doch sie fragte nur, ob sie ein Foto von meinem Motorrad machen dürfte mit ihrem Kind davor. Ich meinte, es waäre auch ok, wenn sich der kleine Junge auf das Motorrad drauf setzt. Da war sie total happy. Ich setzte den Jungen auf’s Motorrad und sie machte ein paar Fotos. Ich auch.

Da ich hier für mich nichts zu Essen bekommen hatte fuhr ich zum einzigen „Restaurant“ im Ort, welches ein Schnellimbiss an einer Tankstelle war. Eine Kette namens Wimpy. Ich bestellte mir einen Burger mit Fritten. Nicht gerade gesund. Und da dachte ich im Nachhinein, ich hätte vorhin nochmal in den Supermarkt gehen sollen um dem Jungen und auch mir etwas Obst zu kaufen. Tja, jetzt war es zu spät. 

Ich wollte unbedingt noch nach meinem Motorrad schauen. Nachdem ich gestern noch meine Kette gespannt hatte, machte es heute bei langsamer Fahrt seltame vibrierende Geräusche. 

An meiner Unterkunft angekommen stellte ich es auf den Hauptständer und stellte fest, dass die Kette ein wenig zu stramm war. Und nicht nur das, der Abstand der Kettenspanner am Hinterrad war nicht auf beiden Seiten gleich so wie es hätte sein sollen. Wahrscheinlich hatte ich gestern auf einer Seite die Stellschraube in die falsche Richtung gedreht und da es schon gedämmert hatte, konnte ich die Abweichung auf dem angebrachten Lineal nicht richtig erkennen. Nun hatte ich es korrigiert und die Skala im hellen Licht meiner Stirnlampe kontrolliert. 

Ich hoffe, dass das der Grund für die Geräusche war. Morgen würde ich es merken.

Zurück in meinem Zimmer duschte ich und setzte mich an meinen Laptop. Ich hatte seit  Tagen kein Tagebuch mehr geschrieben und auch keine Bilder beschriftet oder gar bearbeitet. Ich wollte meinen Rückstand bis Windhoek auf jeden Fall aufholen, da ich fürchtete, dass wenn ich mit meinen Eltern, meiner Tante und meinem Onkel unterwegs sein würde, ich nur wenig Zeit hätte, um mich abends um meine Bilder zu kümmern. Da könnte ich keinen zusätzlichen Rückstau gebrauchen.

Eintönige Fahrt von Klawer nach Springbok

Datum17.06.2026 – Tag 70
StartKlawer
ZielSpringbok
gefahrene Kilometer290 km
Kilometerstand66116 km

Heute ging es direkt weiter. Nach einem Müsli zum Frühstück packte ich mein Motorrad. Heute dachte ich daran, die Regensachen und mein dünnes Jäckchen nicht in die Koffer zu packen. Das Jäckchen packte ich einfach unter einen Riemen auf den Rucksack und die Regensachen kamen in einen Stoffbeutel, den ich mit einem zusätzlichen Gurt an einem der beiden Reifen befestigte. So könnte ich bei einsetzendem Regen recht einfach dran kommen, ohne die Reifen vorher abbauen zu müssen.

Die Fahrt war erneut eher langweilig und der recht starke Wind nervte. Nach etwa der Hälfte der Strecke hielt ich zu einer kurzen Mittagspause in Bitterfontein im Goerap Eco-Village an und bestellte mir einen Cappuccino und ein Schinken-Käse  Sandwich. 

Erst rund 50 Kilometer vor Springbok wurde es bergiger und die Landschaft somit interessanter. Allerdings zogen auch dunkle Wolken auf und kurz darauf begann es zu regnen. Gut, dass ich meine Regenklamotten heute griffbereit verpackt hatte.

In Springbok bezog ich ein schönes Apartment und fuhr sofort zum Einkaufen in den Checkers, wo ich mir Lasagne und Brokkolisalat zum Abendessen kaufte.

Leider konnte ich mich, nachdem ich einmal im Fernsehsessel gesessen hatte, nicht mehr aufraffen um am Laptop zu arbeiten und versackte bis tief in die Nacht am Fernseher. Es kommt halt nicht oft vor, dass ich eine Unterkunft mit einem so großen Fernseher habe.

Kleiner Ausflug nach Buffelsrivier

Datum18.06.2026 – Tag 71
StartSpringbok
ZielSpringbok
gefahrene Kilometer109 km
Kilometerstand66225km

Da ich in der Nacht wieder mit Halsschmerzen und nervigem Husten aufwachte, entschied ich mich den Wecker auszuschalten und schlief fast bis 12:00 Uhr. Das tat total gut und als ich aufstand ging es mir schon viel besser.

Ich machte mir Kaffee und Brötchen zum Frühstück und setzte mich anschließend an den Laptop um Bilder zu beschriften. Doch um 14:00 Uhr konnte ich das schöne Wetter nicht länger ignorieren. 

Da ich so spät aufgestanden war, kam ein Ausflug ans Meer nicht mehr in Frage, so dass ich eigentlich den Tag am Laptop verbringen wollte. Doch bei dem tollen Wetter musste ich einfach nochmal einen Abstecher in die Berge machen. Laut Gogole Maps gab es 40 Minuten entfernt in Buffelsrivier einen Fluss und eine nicht näher spezifizierte Sehenswürdigkeit.

Die Strecke dorthin war schön kurvig, doch als ich dort ankam war von dem Fluss nichts zu sehen. Stattdessen fuhr ich durch ein sandiges Flussbett. Mit hart aufgepumpten Reifen nicht so einfach, doch ich wollte keine Luft ablassen, da ich nicht wusste ob meine Luftpumpe noch funktionierte. Ich hatte vorsichtshalber eine neue bestellt, die mir meine Eltern nach Windhoek mitbringen würden. Bis dahin wollte ich eigentlich auf Offroad-Ausflüge verzichten.

Doch ich schaffte es auch so durch den Sand ohne stecken zu bleiben. Und zur Not hätte mir sicherlich das halbe Dorf dabei geholfen, das Motorrad wieder auszugraben. Insbesondere die Kinder waren total begeistert. 4 Jungs rannten als sie mich hörten im Eiltempo zu Straße als ob es um ihr Leben ging, nur um mir die Hand hinzuhalten so dass ich sie abklatschen konnte. Das habe ich natürlich gerne gemacht,

Dann war es leider schon wieder Zeit umzukehren.

In Springbok fuhr ich zur Abwechskung mal zum Shoprite Supermarkt um zu schauen, was es dort zu Essen gäbe. Auf dem Parkplatz sprach mich eine Frau mit Brustkrebs an und fragte, ob ich ihr etwas zu Essen kaufen könnte. Ich war heute gut drauf und brachte ihr einen Hähnchenschenkel und ein Brötchen mit, worüber sie sich sehr gefreut hatte.

Für mich selbst hatte ich nur einen Obstsalat und einen O-Saft gekauft, da es an der warmen Theke ausschließlich Grillhähnchen gab, worauf ich heute keine Lust hatte.

Also fuhr ich nochmal zum SPAR wo ich mir dann eine Portin Chicken Biryani und etwas Gemüse kaufte.