Du betrachtest gerade Angola – Entlang der Küste

Traumhaft schöne Offroadstrecke nach Lucira

Datum26.07.2026 – Tag 109
StartNamibe
ZielLucira
gefahrene Kilometer250 km
Kilometerstand69961 km

Nach dem gleichen Frühstück wie gestern machte ich mich auf den Weg nach Lucira, was auf halber Strecke nach Benguela liegt. Sandro hatte mir versichert, dass es dort eine Unterkunft gäbe in der ich übernachten kann, auch wenn auf Google Maps keine eingezeichnet ist. Er hatte sogar mit dem Besitzer telefoniert als wir beim Abendessen zusammensaßen.

Auf dem Weg lag ein kleiner Fischerort namens Pipas, in dem Lea und Val übernachteten. Ich dachte, falls sie nicht so früh abreisen, könnte ich sie dort nochmal treffen. Auf halbem Weg kam mir die Idee mal nachzufragen wie die Straße sei. Lea meinte, neu geteert, allerdings seien sie schon in Namibe angekommen. Wir hatten uns also verpasst. Die beiden müssen wohl Frühaufsteher sein.

Ich fuhr dennoch nach Pipas, allerdings bin ich meinem Navi gefolgt, das die neue Straße wohl noch nicht kannte oder mich über die alte geschickt hatte weil die kürzer war. So bin ich über einen sehr abenteuerlichen dafür landschaftlich wunderschönen Feldweg gefahren.

Trotz des hohen Gewichts durch das viele Gepäck bin ich gut zurecht gekommen. Ich hatte mal wieder besonders viel Luft aus den Reifen gelassen. Das hat im Sand sehr geholfen.

In Pipas spazierte ich eine Runde über den Strand und schaute den Fischern zu, wie sie ihren Fang in Plastikkisten in den Ort brachten.

Nach einer halben Stunde oder so fuhr ich wieder weiter. Ein Café gab es keines im Ort, zumindest habe ich keins gefunden. 

Auf der perfekt geteerten Hauptstraße pumpte ich meine Reifen wieder auf. Ich ging davon aus, dass die Strecke, die ich jetzt nehmen würde komplett geteert sei. Schließlich hatte mir Lea das ja geschrieben.

Doch am Ortsende hörte der Asphalt wieder auf. Ich hatte keine Ahnung über welche Straße die Beiden gekommen waren, doch für das was hier vor mir lag, musste ich wieder die Luft aus den Reifen lassen. Da hätte ich mir das Aufpumpen 2 Minuten zuvor sparen können.

Ich fuhr eine Weile und dann stand ich vor einem Problem. Es gab nämlich 2 verschiedene „Wege“. OsmAnd wollte mich den kürzeren schicken, Google Maps den längeren. Ich entschied mich für den kürzeren.

Doch als ich die Abzweigung kam, konnte ich keinen angehenden Weg finden. Da OsmAnd die 2. Strecke auch kannte, dachte ich das sei vielleicht der bessere Weg und fuhr weiter.

Ein paar Kilometer später kam ich erneut an eine Kreuzung. Hier kam mir zum Glück ein Motorrad entgegen. Ich hielt die beiden an, schaute etwas verwirrt und sagte in einem fragenden Ton „Lucira?“.

Der Fahrer bedeutete mir, dass ich umkehren und ihm folgen sollte. Zuerst dachte ich ich müsse wieder den gleichen Weg zurück, den ich gekommen sei, doch nach ein paar Kilometern hielt er an und zeigte mir den abzweigenden Weg, den ich zuvor nicht gefunden hatte. Dann fragte er nach etwas Geld. Für die Hilfe gab ich ihm 1000 Kwanza.

Von hier sollten es noch 12 Kilometer bis zur geteerten EN100 sein. Anfangs kam ich aich noch ganz gut zurecht, dich je länger ich fuhr, desto sandiger wurde es. Die letzten beiden Kilometer fuhr ich neben der Straße über die kleinen Pflanzen die fast vollständig den Sand bedeckten. Dort hatte ich deutlich mehr Grip als in der sandigen Fahrspur. 

Für die 12 Kilometer brauchte ich rund 40 Minuten und war echt froh, als ich endlich wieder Teer unter den Rädern hatte. Mit einem über 300 Kilogramm schweren Motorrad (plus Fahrer) ist tiefer Sand kein Spaß.

Nun war es 14:40 Uhr und ich hatte bis Lucira noch 158 Kilometer vor mir. Also lediglich 40 Kilometer weniger als wenn ich von Namibe der EN100 ohne Abstecher nach Pipas gefolgt wäre.

Naja, auf der guten Straße kam ich zügig voran und erreichte gegen 16:30 Uhr Lucira. Ein sehr authentischer Ort in dem gefühlt jeder Einwohner auf den Straßen unterwegs war. Es erinnerte mich an Indien. Ich fuhr zu der Stelle an der laut Sandro die Unterkunft hätte sein sollen. Doch dort war nichts.

Ich lief zu Fuß ein wenig herum in der Hoffnung, dass mich irgendwer, der ein paar Brocken Englisch sprach, mich aus Neugier ansprechen würde, aber es kam niemand

Ich versuchte ich Sandro anzurufen damit er nochmal bei der Unterkunft anrufen und nach dem Weg fragen könnte, doch bei ihm war besetzt.

Nach ein paar Minuten wurde ich dann tatsächlich angesprochen. Doch der Mann konnte fast gar kein Englisch. Per Handy konnte ich übersetzen, dass ich eine Unterkunft suchen würde. Ich hatte allerdings keine Ahnung wie sie hieß.

Er rief jemand anderes, der dann etwas besser Englisch sprach. Der brachte mich zu Fuß zu der Unterkunft, die bestimmt einen guten Kilometer entfernt lag.

Ich war mir allerdings nicht ganz sicher, ob der junge Mann mich zur richtigen Unterkunft führen würde. Also versuchte ich nochmal Sandro anzurufen. Diesmal nahm er ab. Ich erklärte ihm meine Situation und er rief direkt bei Arturo an, dem Besitzer er Unterkunft. Als ich dem jungem Mann gegenüber den Namen Arturo erwähnte, meinte er es sei seine Tante. Ich schätze mal, er hat das englische Wort für Onkel und Tante verwechselt.

Als wir ankamen öffnete Arturo die Tür und nahm mich in Empfang. Bevor ich rein gehen durfte wurde ich jedoch noch von einem Mann in Uniform kontrolliert, dem ich meinen Pass zeigen musste. Keine Ahnung weshalb.

Als ich ihn fragte, was das Zimmer ksoten soll, meinte er „nichts“, Sandro sei ein guter Freund von ihm.

Ich fragte Artureo ob er auch Motorrad fahre und er meinte „ja“, er hätte eine CF Moto 800, schönes Motorrad.

Ich bekam ein einfaches aber großes Zimmer und seine Frau brachte die Bettwäsche und so wie ich sie verstand, sollte ich noch warten bis die Haushälterin kommt, damit sie mein Zimmer fertig machte. Doch ich bezog mir das Bett einfach selbst und ging erst mal Duschen. Hier gab es endlich mal wieder warmes Wasser.

Dann wollte ich nochmal in den Ort gehen um Wasser zu kaufen und Essen zu gehen. Da ich jedoch nicht wusste wie das mit der Militärkontrolle sein würde, wollte ich Arturo zuerst fragen bevor ich ging. Doch ich konnte ihn nicht finden. Als ich dann das erste von 2 Toren durchquerte kam mir eine junge schwarze Frau entgegen. Ich fragte nach Arturo und sie bedeutete mir ihr zu folgen.

Sie führte mich ins Haupthaus und sagte ich solle mich setzen. Nach ein paar Minuten kam Arturo und stellte mir ein Glas Wasser hin. Die Haushälterin begann den Tisch zu decken und ich hatte das Gefühl, dass ich mit den beiden zusammen Essen sollte. Dem war dann auch so. Es gab eine Bohnensuppe und dann Reis mit Ziege. Es schmeckte hervorragend. Wir versuchten uns noch ein wenig zu unterhalten. Ich erklärte ihnen meine Reise, wo ich her kam und wo ich noch hin wollte. Doch mit meinen 3 Wörtern Spanisch kam ich nicht weit und merkte schnell, dass Portugiesisch doch deutlich vom spanischen abweicht. Also nutzte ich Google Translate, was jedoch ziemlich zäh war. 

Ich erklärte ihnen, dass ich müde sei, weil ich heute so eine schlechte Straße gefahren sei. Arturo erklärte mir dann, dass es eine komplett neue geteerte Straße nach Pipas gäbe. Tja, das wusste ich auch, ich hätte sie nur finden müssen. 

Um 20:00 Uhr ging ich dann ins Bett und schrieb Tagebuch. Zuvor erklärte mir Arturo noch, dass er um 23:00 Und den Generator ausschalten würde. Dann gäbe es kein Licht mehr. Das mit dem Licht war mir egal, doch ohne Strom konnte ich den Heizlüfter nicht benutzen. Ich legte mir eine 2. Decke auf’s Bett und hoffte, dass es nicht zu kalt werden würde. Laut Wetterbericht sollte es nicht kälter als 17 Grad werden.

Das wäre wahrscheinlich noch ok. Ich würde es sehen…

70.000 Kilometermarke überschritten

Datum27.07.2026 – Tag 110
StartLucira
ZielBenguela
gefahrene Kilometer223 km
Kilometerstand70184 km

Ich hatte eine sehr gute Nacht. Es war nicht zu kalt und das Bett war super bequem.

Ich zog mich an, packte das Motorrad und wollte mich von Arturo und seiner Frau verabschieden, da bedeutete die Haushälterin mir, ich solle mich an den Esstisch setzen wo schon ein Gedeck stand. Offenbar bekam ich noch Frühstück. Es gab Rührei, das leider schon kalt war und die super leckeren selbstgemachten  Brötchen, die es schon gestern zur Suppe gab. 

Da es an der Tankstelle an der Hauptstraße gestern Abend kein Benzin gab, holte Arturo einen großen Kanister und gab mir 9 Liter von seinem Benzin, das ich ihm nicht bezahlen durfte. So sollte ich es problemlos bis Benguela schaffen.

Um 10:00 Uhr machte ich mich auf den Weg, fuhr jedoch zuerst noch am Strand entlang und machte ein paar Bilder. Ein sehr chilliger Ort, an dem ich durchaus auch 2 Nächte hätte verbringen können.

Um 11:00 Ihr begann die Umleitung „Desvio“. 57 Kilometer übelste Schotterpiste mit extrem viel Wellblechanteil und teils Passagen mit tiefem Sand.

Ich braucht geschlagene 3 Stunden für die 57 Kilometer. Und war am Ende ziemlich erschöpft. Bei einer Trinkpause überholte mich eine deutsche Familie, die eine Angolarundreise im Auto machte, so wie wir in Namibia. Wir unterhielten uns kurz bevor ich mich weiter quälte.

Als ich nach 3 Stunden endlich den Teer erreichte war es schon 14:00 Uhr. Ich pumpte meine Reifen auf und genoss den Rest der Strecke nach Benguela, die wirklich schön war.

Am Ortsanfang von Benguela wollte ich tanken, doch die Tankstelle hatte kein Benzin. Da ich schon mal stand schaute ich mir auf iOverlander ein paar Unterkünfte an. Booking.com wird hier kaum genutzt.

Ich fand ein Hotel in der Nähe des Zentrums das mir zusagte. 

Auf dem Weg kam ich an einer 2. Tankstelle vorbei, die lediglich aus einer alten verrosteten Zapfsäule bestand und vor der eine riesige Schlange Motorräder stand. Das gefiel mir gar nicht.

Einen Kilometer weiter das gleiche Bild, an einer modernen Tankstelle. Nur dass die Schlange hier noch viel länger war. Es erinnerte mich an Bolivien wo ich mal 4 Studne anstehen musste um Benzin zu bekommen. Ich hatte keine Lust so lange zu warten und fuhr an der Schlange vorbei, hielt jedoch nochmal kurz am Eingang der Tankstelle um mir dir Situation genauer anzuschauen. Da winkte mich der Mann, der dafür sorgte, dass sich die Einheimischen ordentlich in der Schlange anstellte zu sich und meinte ich könne vorbei fahren, direkt zur nächsten Zapfsäule.

Ich hatte ein total schlechtes Gewissen, dass ich mich gerade vor rund 200 Leute vordrängelte, doch andererseits hatte ich auch keine Zeit mich anzustellen, da ich ja noch keine Unterkunft hatte. So bekam ich ziemlich schnell Benzin und tankte auch meinen Ersatzkanister voll.

Als ich das Hotel erreichte sollte es 35.000 Kwanza kosten (ca. 33,50€). Das Bett war zwar bequem, aber das Zimmer war extrem klein und es gab auch keinen Schreibtisch für meinen Laptop. Doch das k.o. Kriterium war, dass sie keine sicheren Parkplätze hatten.

Ich schaute erneut auf iOverlander und fand eine kleine Pension, die sogar noch besser gelegen war. Hier gab es einen sicheren Parkplatz, ein ebenfalls bequemes Bett und es sollte nur 22.000 Kwanza kosten. Das war mir gut genug um nicht mehr weiter zu suchen.

Ich duschte schnell und ging noch ein paar Schritte zum Strand. Um schöne Fotos zu machen war es allerdings schon zu dunkel. Doch irgendwie verspürte ich „gute Vibes“, wie mein Freund Hakim es formulieren würde, weshalb ich mich entschied 2 Nächte hier zu bleiben. Vorausgesetzt das Zimmer wäre morgen noch frei.

Auf dem Rückweg ging ich noch ins Restaurant „Jango – Bar & Grill“ und bestellte mir einen Fisch des Tages und einen Salat. Es war mal wieder sehr lecker.

Ein Tag in Benguela

Datum28.07.2026 – Tag 111
StartBenguela
ZielBenguela
gefahrene Kilometer0 km
Kilometerstand70184 km

Trotz eines guten Bettes war ich nicht wirklich gut ausgeschlafen als ich um 9:00 Uhr aufstand. Zum Frühstück gab es lediglich ein Brötchen mit Schinken und Käse und einen Kaffee.

Gegen 10:00 Uhr machte ich mich auf zu einem Stadtbummel. Ich ging in Richtung Kirche „Igreja Nossa Señora do Pópulo“ doch auf dem Weg kam ich einem schönen Park namens „Jardim da Administração Mun. de Benguela“ vorbei. Einerseits war es schön hier ein paar Menschen zu sehen, es erinnerte mich ein wenig an Südamerika, doch andererseits waren die allermeisten die sich hier an einem Werktag um 10:30 Uhr aufhielten wohl arbeitslos.

Die Kirche war schon ein wenig heruntergekommen, so wie die ganze Stadt. Schade für die Menschen, doch für mich als Touristen hatte es einen gewissen Charme.

Da schon den ganzen Tag mein mobiles Internet nicht funktionierte, entschloss ich mich nach einem Unitel Shop zu suchen. Ohne Internet waren die Suchergebnisse auf Google Maps allerdings sehr eingeschränkt, doch ich hatte Glück und mir wurde ein Unitel Laden einen knappen Kilometer weiter angezeigt.

Dort hatte ich erneut Glück, denn eine der Angestelltensprsch ein wenig Englisch. Sie erklärte mir, dass es kein Problem mit meiner SIM Karte sei, sondern ein Netzwerkproblem, das die gesamte Stadt beträfe. Leider hatte sie keine Ahnung wie lange es noch dauern würde bis das Problem behoben sei. Später erfuhr ich, dass es einen Cyber-Angriff auf Unitel gab und das Netz landesweit ausgefallen war. Und das für mehrere Tage, was ich noch zu spüren bekommen sollte.

Ich schlenderte weiter und da ich nach dem dürftigen Frühstück wieder ein wenig Hunger bekam, suchte ich nach einer Eisdiele oder einem Café. Eine Eisdiele fand ich nicht, doch stattdessen ein schönes Café, in dem ich mir ein deftiges Teilchen mit Ei sowie ein Pastel de Nata und eine Schokopraline bestellte. Dazu noch einen Milchkaffee. Alles zusammen für 5000 Kwanza (knapp 5€). 

Beim Bezahlen merkte ich jedoch, dass ich kaum noch Bargeld im Portemonnaie hatte. Also ging ich langsam zurück zu meiner Unterkunft um es nochmal aufzufüllen. Auf dem Weg kaufte ich mir eine Birne von einer Obstverkäuferin und dachte erst nachdem ich sie ungewaschen gegessen hatte, dass das möglichweise keine so gute Idee gewesen ist.

Auf dem Weg machte ich nochmal einen Abstecher in den Park von heute Morgen und schaute mir das sehr entspannte treiben dort an. Eine junge Frau, die mit einer Bananenverkäuferin neben mir auf der Parkbank saß bot mir sogar etwas von ihrem Bananenbrot an. Nach der ungeschälten Birne lehnte ich das Brot aus unbekannter Herkunft jedoch dankend ab. Ich wollte mein Schicksal nicht herausfordern. Im Gegenzug gab ich ihr dann einen Kaugummi von mir, über den sie sich sehr gefreut hatte.

In meinem Zimmer stellte ich fest, dass ich selbst in meiner Bauchtasche nicht mehr viel Bargeld hatte. Es würde noch für ein bis 2 Tage reichen, jedoch nicht mehr bis Luanda. Und da es hier in Angola fast genauso schwierig ist an Bargeld zu kommen wie an Benzin, entschied ich mich dazu heute noch ein paar Banken abzuklappern. Zuerst telefonierte ich jedoch nochmals mit meinen Eltern. Das wollte ich eigentlich schon heute morgen aus dem Park machen, doch das Mobilfunknetz war ja ausgefallen.

Direkt an der ersten Bank schien es Geld zu geben. Es stand jedenfalls eine lange Schlange davor. Ich fragte einen der Sicherheitsleute, ob ich hier mit meiner VISA Karte Geld Abheben könnte. Ich wollte mich ja nicht umsonst anstellen. Er meinte das würde gehen.

20 Minuten später hatte ich dann nochmal 120.000 Kwanza abgehoben. Das sollte bis Luanda reichen.

Von hier ging ich zur Strandpromenade und schlenderte den Strand entlang. Am Ende des Strands war eine kleine etwas ärmer aussehende Siedlung und davor wurde fleißig Fisch sortiert und mit Meerwasser vom Sand befreit. An einigen Stellen lagen auch Klamotten und anderswo Fisch zum Trocknen in der Sonne. Hier ist das Leben deutlich einfacher und beschwerlicher.

Von hier schlenderte ich zurück bis ich am südlichen Ende des Strands ankam. Dort gab es ein paar Verkaufsstände und Essensbuden. Aus einigen ertönte Kizomba Musik. Ich überlegte kurz, ob ich hier einen Hamburger essen sollte, doch als ich einen bei jemand anderem sah, gefiel mir die Idee nicht mehr so gut. Er sah nicht sonderlich appetitlich aus. Was allerdings auch am Preis von 1500 Kwanza liegen konnte.

Um 17:00 Uhr bekam ich dann langsam Hunger und bestellte mir einen Hamburger in einem kleinen Restaurant direkt neben den kleinen Buden. Das machte mir einen etwas besseren Eindruck.

Strandspaziergang in Lobito

Datum29.07.2026 – Tag 112
StartBenguela
ZielSumbe
gefahrene Kilometer239 km
Kilometerstand70423 km

Nach dem gleichen Frühstück wie gestern ging ich zu dem Mann in der Rezeption und fragte ihn per Übersetzer ob er für mich bei meiner nächsten Unterkunft anrufen könnte um nach einem Zimmer zu fragen. Die wurde mir von Steffi empfohlen und liegt sehr schön in den Bergen. Doch da es weit und breit die einzige ist, wollte ich nicht riskieren, dass sie ausgebucht oder warum auch immer geschlossen war.

Leider war auch das Telefon des Rezeptionisten vom Unitel Ausfall betroffen und er konnte nicht telefonieren.

Ich packte mein Motorrad und fuhr eine halbe Stunde nach Lobito. Dort wollte ich mir eine SIM Karte von AfriCell kaufen, da das Netz von Unitel immer noch nicht verfügbar war und ich keine Ahnung hatte wie lange die noch brauchen würden um das Problem zu beheben. Laut ChatGPT handelte es sich um einen Cyber-Angriff und das Netz war landesweit ausgefallen.

Doch am AfriCell Laden in Lobito stand schon eine riesige Schlange. Ich ging bis an die Tür um mir die Sache genauer anzuschauen und mit der kleinen Hoffnung als Ausländer wieder eine Vorzugsbehandlung zu bekommen (wie gestern an der Tankstelle), doch heute hatte ich kein Glück. 

Da ich schon mal hier war fuhr ich auf die Landzunge namens Restinga. Hier gibt es auf beiden Seiten lange Strände und außer ein paar Anglern war niemand da. Ich spazierte geschätzt 20 bis 30 Minuten über den Strand bevor ich dann meinen Weg fortsetzte.

Da mir das mit der Unterkunft in den Bergen zu riskant war und ich durch den langen Aufenthalt in Lobito auch sowieso nicht mehr genug Zeit hatte, änderte ich meinen Plan und fuhr stattdessen nach Sumbe.

Heute war die Straße nicht so gut und hatte viele Schlaglochpassagen aber auch ein paar interessante Bäume am Straßenrand.

In Sumbe angekommen fuhr ich zum Hotel Mar e Sol, das war das einzige das nach den Bewertungen auf iOverlander gut und einigermaßen günstig war. Doch das war leider komplett ausgebucht. 

Als nächstes versuchte ich mein Glück im Hotel Ritz, doch die wollten 40.000 Kwanza (38,36€) für ein Zimmer. Das war mir eigentlich zu teuer, auch wenn es schön am Strand gelegen war.

Laut dem ersten Hotel sollte ein Zimmer im Strandresort Marulho 35.000 Kz kosten. Das konnte ich nicht ganz glauben, doch ich versuchte mein Glück. Mein Bauchgefühl hatte mich allerdings nicht getrübt und sie wollten 65.000 Kz für ein Zimmer. Als letztes blieb noch das Hotel Kalunda, doch das hatte auf Google Maps in letzter Zeit so schlechte Bewertungen, dass ich wieder zum Hotel Ritz gefahren bin und das Zimmer für 40.000 Kz nahm. Zumindest inklusive Frühstück.

Das Zimmer war auch ganz schön, hatte aber leider keinen Schreibtisch und die Betten waren steinhart. Naja, es war wie es war. Wenigstens gab es ausreichend heißes Wasser in der Dusche.

Doch als ich fertig war mit Duschen war es draußen schon dunkel. Der geplante Strandspaziergang fiel somit aus und ich ging gleich in den Ort um etwas zu essen.

Das Restaurant Tia Ka hatte leider kein WiFi und das Unitel Netz funktionierte immer noch nicht. So musste ich die Gerichte der Speisekarte manuell in den Übersetzer eintippen und konnte nicht die Fotofunktion von Google Translate nutzen. Die funktioniert nur mit Internetverbindung.

Ich entschied mich am Ende für ein Churrasco von Hähnchen mit Gemüse und war sehr gespannt was ich da bekommen würde.

Abstecher durch die Berge und Tag 3 ohne Netz

Datum30.07.2026 – Tag 113
StartSumbe
ZielPorto Amboim
gefahrene Kilometer276 km
Kilometerstand70699 km

Gestern Abend habe ich gelesen, dass es einen Cyber-Angriff auf Unitel gab, unmittelbar nach deren Börsengang. Offenbar waren die Hacker so gut, oder die Unitel Leute so schlecht, dass es Tage dauert, bis das Netzt wieder zur Verfügung steht. Allerspätestens in Luanda muss ich mir dann eine SIM von AfriCell kaufen um dort auch ab und zu mal ein Taxi rufen zu können.

Das Frühstück war heute ganz ordentlich. Ich hatte 2 Brötchen mit gekochtem Schinken und Spiegelei, später noch etwas Obst. 

Gegen 10:30 Uhr kam ich dann endlich los. Ich fuhr direkt zur ersten Tankstelle an der Hauptstraße, die zwar Benzin hatte, allerdings musste ich mich hinter 12 anderen Motorrädern einreihen. Nach geschätzten 20 Minuten hatte ich endlich wieder einen vollen Tank und konnte mich auf den Weg machen.

Die Strecke in die Berge zur Fazenda Rio Uiri war der Hammer. Auf der ersten Hälfte gab es unzählige Affenbrotbäume und immer wieder kleinen Ortschaften aus einfachen kleinen Lehmhäusern.

Später wurden die Affenbrotbäume durch andere sehr große aber komplett grüne Laubbäume abgelöst und es tauchten immer wieder tolle Felsformationen auf. 

Gegen 13:20 Uhr erreichte ich die Fazenda Rio Uiri, wo ich eine Kleinigkeit zu Mittag aß. Leider hatte ich nicht so viel Zeit. Laut Google Maps hatte ich noch 2 Stunden und 40 Minuten für 150 Kilometer bis Porto Amboim vor mir. Doch das würden mit Foto- und Trinkpausen und etwas langsamerer Fährt eher 3½ bis 4 Stunden werden. Ich hoffte, dass das Essen schnell kommen würde, so dass ich spätestens um 14:00 Uhr weiter fahren könnte.

Leider gab es im Restaurant kein Internet, so dass ich nicht nach einer Unterkunft in Porto Amboim schauen konnte. Ich hatte zwar eine Empfehlung von Steffi, doch sie meinte die Unterkunft sei sehr einfach. Das schöne wäre, dass sie dicht am Strand lag. Doch da ich auch heute wieder sehr spät ankommen würde, hätte ich nichts vom Strand. Ich wolte lieber in einem etwas komfortableren Hotel bleiben, falls es das gäbe. Doch wie gesagt, ohne Internet konnte ich nicht recherchieren.

Um 14:10 Uhr fuhr ich weiter. Die Landschaft war immer noch extrem beeindruckend und ich war froh, dass Steffi mir diese Strecke empfohlen hatte.

Gegen 17:00 Uhr kam ich in Porto Amboim an. Leider gab es kein Benzin an der Tankstelle. Ich steuerte das Hotel Maritimo an und ließ mir 3 Zimmer zeigen. Am Ende entschied ich mich für das mittelpreisige für 25.000 Kwanza.

Leider gab es kein Internet, da sie auch vom Unitel Ausfall betroffen waren. Somit hatte ich heute Abend gar keine Chance Nachrichten zu lesen oder einen Instagram Post zu schreiben. Vielleicht finde ich morgen Mittag ein Restaurant mit funktionierendem WiFi. 

Ich fragte die Dame an der Rezeption ob es eine Tankstelle mit Benzin gäbe. Sie schickte mich 4 Kilometer zu einer Pumangol Tankstelle, doch als ich dort ankam, sagte man mir es gäbe kein Benzin. Also muss ich es morgen früh nochmal versuchen. Wenn ich extrem sparsam fahren würde, könnte ich es vielleicht mit meinem Ersatzkanister noch bis Luanda schaffen. Vielleicht aber auch nicht, und da die Strecke mit 330 Kilometern doch recht lang ist, wollte ich auch nicht zu sehr trödeln.

Am Abend aß ich im Restaurant des Hotels eine Bohnensuppe und ein Sandwich. 

Anschließend setzte ich mich an meinen Laptop und beschriftete die Bilder der letzten ich weiß nicht wie vielen Tage. Ich hatte schon seit Ewigkeiten kein Zimmer mehr mit Schreibtisch. Leider konnte ich ohne Internet nichts recherchieren, wie Namen von Flüssen, Tieren oder Pflanzen.

Unfall auf einer riesigen Dieselspur

Datum31.07.2026 – Tag 114
StartPorto Amboim
ZielLuanda
gefahrene Kilometer280 km
Kilometerstand70979 km

Die Nacht war viel zu kurz. Ich hatte das Pech, dass eine Gruppe anderer Gäste noch bis kurz vor 01:00 Uhr am Pool saßen, sich lautstark unterhielten und dabei auch noch Laute Musik hörten. Und der Pool lag genau vor meinem sehr schlecht schallisolierten Fenster.

Als ich dann um 8:15 Uhr aufwachte und auf Toilette ging, legte ich mich gar nicht erst wieder hin sondern zog mich an und ging zum Frühstück.

Als ich schon wieder ein Omelette bekam machte ich mir langsam Sorgen über meinen Ei-Konsum. Gestern hatte ich zum Frühstück 4 Spiegeleier, zum Mittagessen ein Omelette und auf dem Sandwich beim Abendessen war auch ein Ei.

Heute hatte ich 263 Kilometer vor mir. Das sollte ich mit meinem aktuellen Benzin plus dem Ersatzkanister schaffen, auch wenn ich keine Tankstelle mehr finden würde. Gestern schickte mich Google Maps noch über eine andere Strecke die 330 Kilometer lang war. Das wäre sehr knapp geworden. Aber so konnte ich entspannt von Tankstelle zu Tankstelle fahren bis irgendwann mal eine Benzin hatte.

Die Strecke war ziemlich langweilig. Ab und zu kamen ein paar schöne Bäume, doch dann wieder ellenlange Geradeausabschnitte.

Dann passierte es plötzlich. Ohne zu wissen wie mir geschah lag ich auf der Straße und rutschte ein paar Meter. Als ich aufstand rutschte ich fast wieder aus und merkte erst dann, dass eine dicke Ölspur auf der Straße war.

Zum Glück war ich um Benzin zu sparen mit 65 km/h ziemlich langsam unterwegs. So ist mir selbst nichts passiert (bis auf ein kleines Loch in meiner Hose), und mein Motorrad hat auch erstaunlich wenig abbekommen. Selbst die Tasche an den Sturzbügeln hat es überlebt. Die meisten Kräfte wurden vom Seitenkoffer und den Handguards abgefangen. Die waren dann auch ein wenig abgeschliffen. Später merkte ich, dass der Koffer an der Ecke tatsächlich durch geschliffen war, so dass er ab jetzt nicht mehr wasserdicht war. Das würde ich bei Gelegenheit mal schweißen lassen müssen.

Ich winkte einem Auto zu, das sofort anhielt und der Mann der ausstieg half mir das Motorrad wieder aufzuheben. Ich ging kurz herum um zu schauen, ob auch nichts abgefallen war. Dann waren plötzlich schon 5 oder 6 Männer um mich herum. Ich verstand niemanden und hatte auch keine Ahnung wo die so plötzlich so schnell her kamen, doch sie schienen mir alle helfen zu wollen. Ich kontrollierte noch schnell meine Motorradklamotten und tastete mich selbst ab, ob ich irgendwo Schmerzen hätte, die ich ohne drauf zu drücken nicht merkte, doch es war tatsächlich alles in Ordnung. Ich kann bis jetzt nicht verstehen, wie meine Motorradkleidung das lange Rutschen über den Asphalt so gut überstanden hatten.

Als ich weiterfuhr stellte ich allerdings ein seltsames Pendeln fest. Ich war mir nicht sicher, ob das durch den Schock war und ich nach dem Sturz jetzt vielleicht viel sensibler war, oder ob es tatsächlich ein Problem mit dem Motorrad gab. Ich hielt am Straßenrand an und zog alle Riemen der Sturzbügeltaschen nochmal fest, ebenso meinen Rucksack auf dem Rücksitz. Danach war es schon deutlich besser, fühlte sich aber immer noch nicht ganz so an wie zuvor. Vielleicht war aber auch nur die Straße schlecht.

Ich hatte noch ein paar Kilometer bis Caboledo vor mir. Dort gab es eine Tankstelle an der ich nochmal tanken konnte. Dort kontrollierte ich erneut mich selbst und das Motorrad, konnte aber nichts feststellen. 

Also fuhr ich weiter nach Luanda zum Rouxinol Boutique Hotel / Oasis Guesthouse. Ich bekam ein kleines aber sauberes Zimmer für 25.000 Kwanza pro Nacht. Als ich dem netten Herren erklärte, dass ich nicht genug Bargeld dabei hätte um die kompletten 5 Nächte zu bezahlen, meinte er, dass das sei kein Problem. Ich zahlte 3 Nächte und packte meine Sachen aus. 

Dann fuhr ich nochmal in die Stadt zu einer Bank um Geld abzuheben. Leider musste ich dort rund eine halbe Stunde anstehen und wurde von einem aufdringlichen Schuhputzer belästigt. Er gab einfach keine Ruhe, selbst als der Wachmann der Bank mit umgehängtem Gewehr ihn wegschickte blieb er beharrlich. Das war schon ziemlich nervig, doch nachdem ihn 3 weitere Männer die vor mir in der Schlange standen anschriehen, zog er endlich ab. Die Armut der Leute ist hier ist schon schwer zu ertragen.

Als ich endlich in der Bank war hob ich 4 mal in Folge den Maximalbetrag von 60.000 Kwanza (57€) ab. 

Nun fuhr ich zu einem AfriCell Shop um mir eine neue SIM Karte zu kaufen. Ich rechnete nicht damit, dass Unitel seine Netzprobleme in naher Zukunft in den Griff bekommen würde.

Leider war der Shop schon geschlossen. Ich aß ein Sandwich und ein Pastel de Nata und fuhr zu einem weiteren AfriCell Shop in einem Einkaufszentrum am Fort. Doch auch das war schon geschlossen. Also fuhr ich unverrichteter Dinge wieder zurück zu meiner Unterkunft, nahm eine Dusche und zog mir bequeme Klamotten an. 

Ohne mobiles Internet fiel leider die Kizomba Party zu der ich heute Abend noch gehen wollte ins Wasser. Mit dem Motorrad will ich nachts nicht durch Luanda fahren, insbesondere nicht, wenn ich nicht weiß, ob ich an meinem Ziel einen sicheren Parkplatz bekomme oder nicht. 

Doch ohne Internet konnte ich mir auch kein Taxi rufen. Also ging ich nochmal zu Fuß zu einem benachbarten Supermarkt wo ich mir ein Sandwich und ein weiteres Pastel de Nata zum Atendessen holte und blieb den restlichen Abend in meinem Zimmer.