Du betrachtest gerade Angola – Der Süden

Grenzübertritt nach Angola

Datum21.07.2026 – Tag 104
StartOshikango
ZielXangongo
gefahrene Kilometer152 km
Kilometerstand68716 km

Ich wachte schon um 7:50 Uhr auf kurz vor um 8 Uhr der Wecker klingelte. Jetzt gab es zum Glück warmes Wasser in der Dusche. Das Frühstück war nicht besonders üppig aber gut.

Um 9:30 Uhr verließ ich das Motel in Richtung Grenze. Ich stellte meine beiden Handys schon mal auf Angolanische Uhrzeit nach der es erst 8:30 Uhr war.

5 Minuten später erreichte ich die Grenze. Der Helfer, den mir Steffi gestern Abend empfohlen hatte, hatte sich leider nicht gemeldet, doch an der Grenze stand schon ein anderer bereit.

Die Ausreise aus Namibia ging recht schnell. Um 9:05 war ich ausgereist.

Auf der angolanischen Seite dauerte alles etwas länger. 

An der Immigration war noch ein Pärchen aus der Schweiz vor mir und sie warnten mich schon, dass es eine Weile dauern würde. Währenddessen meinte mein Helfer, dass es in Luanda ein Biker-Treffen namens Amigos da Pocada. Mal schauen, ob ich zu der Zeit in Luanda sein würde.

Letztlich ging es doch recht schnell bei der Immigration und ich bekam einen Stempel mit 30 Tagen Aufenthaltserlaubnis. Dann machte der Grenzbeamte noch ein Foto und mein Helfer führte mich in das nächste Büro wo ich eine NIF Nummer bekommen sollte. Irgendwas mit „Fiscal“. Vielleicht brauche ich die um später die Road Tax zu bezahlen, also die Straßensteuer. Die Schweizer waren gerade fertig als ich das Büro betrat, doch es waren noch 2 Angolaner vor mir. Ich musste also erst mal ein paar Minuten warten. 

Als ich die Formulare bekommen hatte ging es ins nächste Büro. Dort musste ich an einem Schreibtisch warten bis alle Formalitäten für mein TIP (temporäre Einfuhrgenehmigung) erledigt waren. Eigentlich brauchte ich das gar nicht, da ich ja ein Carnet des Passages hatte, doch mein Helfer meinte ich müsse es trotzdem haben und auch bezahlen. OK, bei 7 € war das zu verschmerzen. 

Am 2. Schreibtisch ging es dann um die Road Tax, die Straßensteuer. Da die Schweizer alleine nicht zurecht kamen, wurden sie von meinem Helfer gleich mit abgefertigt.

Als wir fertig waren bekamen wir eine Rechnung, die bezahlt werden musste. Da sie aber keine Kreditkarte akzeptierten, führte uns der Helfer zu einem Zaun. Dort standen ein paar Männer mit Smartphones und entsprechenden Bezahl-Apps. Sie zahlten die Rechnungen für uns und gaben bei der Zahlung die Referenznummer von der Rechnung an. Dadurch wurde die Zahlung sofort an die Grenzbeamten bestätigt. Dort bekamen wir dann das finale TIP Dokument, das hier AGT heißt, und die Bestätigung für die Zahlung der Road Tax.

Ich weiß nicht wie lange das gedauert hatte, doch es zog sich eine ganze Weile hin. Gut dass ich mich in der Zeit mit den Schweizern Lea und Val unterhalten konnte. So war es wenigstens nicht so langweilig.

Nun tauschte ich noch 100€ bei einem Geldwechsler, den mir mein Helfer organisiert hatte. Ich bekam den offiziellen Kurs. Da konnte ich mich nicht beschweren. 

Nun zahlte ich 800 NAD an Andrew meinen Helfer für die Begleichung der beiden Rechnungen und nochmal 400 für seine Hilfe. Dann konnten wir endlich fahren. 

500 Meter weiter gab es einem offiziellen Unitel Laden wo ein Mann tatsächlich Englisch sprach. Wir kauften uns eine SIM Karte und ließen sie ordnungsgemäß registrieren. 20 GB sollten für die 30 Tage hoffentlich ausreichen.

Nun gingen wir erst mal etwas Essen. Hier gab es ein Restaurant mit einem Buffet, wo man das Essen nach Gewicht zahlte. Ich hatte einen ordentlichen Teller mit Reis irgendwelchem Fleisch, einem Spiegelei und Gemüse. Alles für 6000 angolanische Kwanza (ca. 5,75€).

Nach dem Essen fuhren wir nach Ondjiva wo es ein Versicherungsbüro gab, das mir empfohlen wurde.

Hier mussten wir zwar mit dem Handy übersetzen, doch am Ende bekamen wir beide eine Versicherung. Lea und Val zahlten knapp 6€ um ihren Toyota Fortuner für 15 Tage zu versichern. Ich zahlte für mein Motorrad für 30 Tage lediglich knapp 3€. Da kann man nicht meckern.

Hier verabschiedeten wir uns, tauschten aber Nummern aus. Vielleicht würden wir uns in Lubango nochmal zum Abendessen treffen. Die beiden würden heute Nacht irgendwo wild campen.

Ich fuhr weiter nach Xangongo. Die Straße war zwar geteert, ich konnte aber kaum schneller als 70 fahren, da sie mit Schlaglöchern übersäht war. Und ich musste nicht weit fahren bis ich das erste Militärfahrzeug am Straßenrand sah, ein Überbleibsel aus dem Bürgerkrieg. Etwas später traf ich noch noch auf einen Panzer. Ich musste mich unbedingt über den Bürgerkrieg informieren, da ich davon zuvor noch nichts gehört hatte.

In Xangongo angekommen steuerte ich direkt eine Tankstelle an. Leider gab es dort kein Benzin. Genau wie an den anderen beiden Tankstellen im Ort. 

Das gute war, dass ich bei langsamer Fahrt wohl noch 320 Kilometer würde fahren können und bis Lubango waren es nur noch 280 Kilometer. Das sollte sich ausgehen, falls die Tankstellen auf dem Weg auch keinen Sprit haben sollten.

Dann fuhr ich zu der Unterkunft Pensao Escola, die ich mir zuvor auf iOverlander ausgesucht hatte. 

Doch dort musste ich erfahren, dass sie komplett ausgebucht war. Blöd, es gab nämlich nur noch eine einzige weitere Unterkunft, die Pensao Kimaia. Die hatte zum Glück noch ein freies Zimmer für 15000 Kwanza (14,32€). Leider war das Bett steinhart. Und wie sollte es anders sein, gerade war der Strom ausgefallen. Jetzt bin ich im echten Afrika angekommen.

Ich packte aus und als der Strom zurück kam musste ich meinen Ausweis abgeben, damit der Junge eine Kopie machen konnte. Jetzt ging ich in den gegenüberliegenden kleinen Markt Wasser und ein paar Kekse einkaufen. 

Nun musste ich nur noch etwas zu Essen finden. Direkt neben meiner Unterkunft war eine Bar, doch dort gab es nur Getränke, nichts zu Essen. Doch die Dame zeigte in ein Seitenstraße. Dort ging ich hin und neben dem „Krankenhaus“ gab es eine Art Restaurant.

Als ich nach der Speisekarte fragte meinte die Dame, die sei veraltet und sie müsste mir mündlich sagen, was sie hätten. Ich ließ sie die Gerichte in mein Handy sprechen, doch entweder hat die Spracherkennung nicht funktioniert, oder der Übersetzer kannte die Gerichte nicht. Das einzige was er übersetzt hat war „Hamburger“. Also bestellte ich den.

Während ich wartete schrieb ich Tagebuch und bekam eine Nachricht von Lea. Sie hatten einen schönen Platz unter einem Baobab Baum zum Übernachten gefunden. Ich war ein wenig neidisch. Ich tendiere immer stärker dazu mein Motorrad von Johannesburg per Flugzeug zurück nach Deutschland zu schicken und die 2. Etappe nächstes Jahr von Südafrika nach Kenia in einem Offroad Camper zu machen. Dann hätte ich immer ein bequemes Bett und die sandigen Straßen wären auch kein Problem. Die Straße zu meiner Unterkunft bestand aus tiefem Sand in dem mir mein Motorrad einmal fast umgefallen wäre. Außerdem wären dann ausgebuchte Unterkünfte auch kein Problem. Ich werde mir das in den nächsten Wochen gut überlegen müssen.

Nach über einer halben Stunde kam dann mein Burger. Er war nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Kein Vergleich zu Namibia. Ich schätze die Zeiten des guten Essens sind vorbei.

Viele Affenbrotbäume / Baobabs

Datum22.07.2026 – Tag 105
StartXangongo
ZielLubango
gefahrene Kilometer456 km
Kilometerstand69172 km

Der Wecker klingelte unbarmherzig um 7:50 Uhr. Zum Glück war es nach meiner inneren Ihr noch 8:50 Uhr. Da es in Angola ja eine Stunde Zeitverschiebung gibt, wird es abends auch eine Stunde früher dunkel, was ich in meiner Fahrzeitplanung berücksichtigen musste.

Ich packte mein Motorrad und wurde dabei gleich mal von einer Mücke gestochen. Zum Frühstück gab es 2 trockene Brötchen, 2 Spiegeleier und ein strahlendes Lächeln der Bedienung.

Um 8:45 Ihr machte ich mich auf den Weg. Hier in Angola gibt es wieder Flüsse, die auch Wasser führen und tolle riesige Affenbrotbäume.

Nachdem ich 75 Kilometer unterwegs war fiel mir auf, dass ich meinen Vorderreifen in meiner Unterkunft vergessen hatte. Scheiße.

Also wieder zurück.

Als ich ankam waren knapp 2½ Stunden vergangen und schlimmer noch, somit hatte ich auch nicht mehr genug Benzin um nach Lubango zu kommen. 

Ich holte meinen Reifen ab und fuhr zur Tankstelle an der eine riesige Menschenmenge und eine Lange Schlange an Autos stand. Doch niemand wurde bedient. Ich ging zum Tankwart und fragte per Übersetzungs-App ob es Benzin gäbe. Er fragte wie viel ich bräuchte und als ich „10 Liter“ sagte, meinte er das sei kein Problem.

Dann begann er auch endlich die Kanister der vielen Leute zu betanken und bedeutete mir, dass ich an den Autos vorbei, direkt zur Tankstelle fahren sollte. Doch ich kam nur auf bis etwa 5 Meter an die Zapfsäule heran. Und ständig drängelten sich neue Leute mit ihren Kanistern an mir vorbei.

Irgendwann stieg ich ab und schnallte meinen Benzinkanister ab. Doch dann meinte einer der Kunden, der ein wenig Englisch sprach, ich solle mich noch ein wenig gedulden. Zuerst wurde das Polizeimotorrad bedient und dann würde er zu mir kommen. Ich war erstaunt, dass der Schlauch so lang war, doch er reichte gerade bis zu meinem Motorrad. 

So chaotisch es hier sich zuging, niemand beschwerte sich, dass ich als Ausländer eine Vorzugsbehandlung bekam. Ich habe keine Ahnung wie lange die anderen schon anstanden. 

Als ich dann für 10½ Liter 3000 Kwanza bezahlen sollte (2,70€) gab ich dem Tankwart 5000 Kwanza. Er suchte trotzdem nach Wechselfeld, bis der englischsprachige Mann ihm übersetzte, dass er den Rest behalten könnte. Daraufhin wurde es laut in der Menschenmenge. Ich habe keine Ahnung warum. Ob sie das als Schmiergeld empfanden? Keine Ahnung es war ein wenig seltsam, doch ich war froh, einen vollen Tank zu haben und machte mich um Punkt 12:00 Uhr erneut auf dem Weg nach Lubango. Es lagen noch 290 Kilometer vor mir. Da ich jetzt keinen Sprit sparen musste, konnte ich auch etwas schneller fahren. Also zwischen 90 und 100 km/h.

Doch nach rund 200 Kilometern wurde die Straße so schlecht, dass ich deutlich langsamer machen musste. Nachdem ich ein paar Schlaglöcher zu spät sah und es ganz schön rumpelte, entschied ich mich hinter einem Auto her zu fahren so dass ich immer bremsen konnte wenn das Auto wegen der Schlaglöcher bremste. So kam ich ganz gut voran.

Am Ortseingang von Lubango kam ich an eine Tankstelle, die geöffnet hatte, an der aber keine langen Schlangen waren. Ich entschied mich nochmal voll zu tanken und kaufte auch noch eine Flasche Wasser.

20 Kilometer später erreichte ich das Hotel, das mir Steffi, eine andere Motorradfahrerin aus der WhatsApp Gruppe empfohlen hatte. Doch leider hatten die nur noch ein teures Zimmer für 60.000 Kwanza (57,40€) pro Nacht. Das war deutlich über meinem Budget. 

Also fuhr ich zu meiner 2. Wahl, der Casa Hilde. Dort waren auch Lea und Val, die beiden Schweizer von gestern. 

Leider gab es kein privates Zimmer mehr, so dass ich ein Bett im Schlafsaal nehmen musste. Allerdings hatte der nur 3 Betten und ich war der Einzige dort. 

Da es mittlerweile so spät war, dass es la gsam dunkel wurde, hatte ich auch keine andere Wahl. 

Das Bett sollte 10.000 Kwanza kosten. Da ich heute aber noch nicht bezahlt hatte, wusste ich nicht ob das pro Nacht oder für beide Nächte war. Lea und Val hatten 30.000 für das Doppelzimmer für 2 Nächte bezahlt. Ich dachte daher dass die 10.000 Kwanza dann vielleicht tatsächlich für beide Nächte waren. Das wäre natürlich mit knapp 5€ pro Nacht echt günstig. 

Spoileralarm: Als ich am nächsten Abend zahlte, waren es dann doch 10.000 Kwanza pro Nacht.

Leider gab es nur ein Bad auf dem Gang und kein heißes Wasser. Dafür war das Bett recht bequem und da ich alleine im Zimmer war, war es auch kein Problem meinen Heizlüfter einzuschalten.

Lea und Val luden mich zum Abendessen ein. Sie  kochten eine Linsen-Gemüse-Pfanne. Super lecker und eine willkommene Abwechslung zu dem vielen Fleisch der letzten Wochen.

Wir saßen noch eine Weile in der Küche und tauschten Reiseerfahrungen aus.

Besuch der Tundavala Schlucht

Datum23.07.2026 – Tag 106
StartLubango
ZielLubango
gefahrene Kilometer90 km
Kilometerstand69262 km

Ich wachte schon um 7:30 Uhr und konnte nicht mehr richtig einschlafen, blieb aber dennoch bis 9:20 Uhr im Bett und döste so vor mich hin.

Nach dem Aufstehen packte ich die wertvollen Sachen wie Kamera und Laptop wieder ins Motorrad, da ich meinen Schlafsaal ja nicht abschließen konnte.

Als erstes wollte ich etwas frühstücken und Geld abheben. Dazu fuhr ich in einen großen Supermarkt den Steffi mir empfohlen hatte. Als ich mein Motorrad parkte kam gleich ein netter Angolaner namens Ruy, der ganz gut Englisch sprach, auf mich zu und erklärte mir, ich solle mich doch auf den Behindertenparkplatz stellen. Das wäre viel sicherer, da der genau vor dem Parkplatzwächter war. Ich parkte um und dann unterhielten wir uns noch ein wenig. Er gab mir seine Nummer und die des Vorsitzenden des Motorradclubs von Lubango.

Dann telefonierte er kurz und meinte, dass sein Freund Ze, der Vizepräsident des Motorradclubs mich kennenlernen wollte. Die beiden hatten gerade in dem Supermarkt gefrühstuckt. Er wäre jeden Augenblick hier. 

Er kam zusammen mit seinem Sohn der sehr gut Englisch sprach und aushalf, wenn Ze nicht mehr weiter wusste.

Wir gingen ins Supermarktrestaurant und er empfahl mir ein Sandwich mit Hühnchen und Gemüse. Dazu nahm ich noch ein Pastel de Nata, das ich schon von meiner Motorradreise nach Lissabon kannte, und einen Kaffee. Da die beiden schon gegessen hatten nahmen sie nur einen Kaffee. Ich wollte sie einladen, doch Ze lehnte energisch ab und lud mich stattdessen ein. Die Gastfreundschaft hier ist unbeschreiblich.

Da der Geldautomat im Supermarkt kein Geld hatte fuhren die beiden mit mir zu einem Restaurant neben dem es auch einen Geldautomaten gab. Doch auch der hatte kein Geld. 

Dann lud er mich ein am Abend in dieses Restaurant, das Café do Monte, zu kommen. Dort würde er sich mit Sandro dem Präsidenten des Motorradclubs treffen und ich sollte dazu kommen. Sandro hätte viele Tipps für mich auf dem Weg nach Luanda.

Dann verabschiedeten wir uns und ich fuhr zur Tundavala Gap, einer extrem beeindruckenden, engen und tiefen Schlucht. Leider führte mich Google Maps nicht die beste, sondern die kürzeste Route, die genau durch ein Armenviertel führte. Ich bin noch nie so schlechte Straßen innerhalb einer Stadt gefahren. Nach ein paar hundert Metern wurde es so schlimm, dass ich umkehrte. Ich hätte die Szenerie gerne fotografiert, doch ich finde es irgendwie unangemessen andere Leute in ihrem Elend zu knipsen.

Zurück auf der Hauptstraße war die Fahrt zur Tundavala Gap recht angenehm. Die komplette Strecke war geteert.

Steffi warnte mich vor Heerscharen von bettelnden Himba Kindern, doch mich ließen sie in Ruhe. Ich machte offenbar einen so grimmigen Eindruck, dass ein kurzes Kopfschütteln ausreichte und sie standen gar nicht erst auf um mich zu belästigen.

Normalerweise macht mir die Höhe nichts aus, doch hier spürte selbst ich, als ich auf der Aussichtsplattform stand, wie sich mein Magen zusammenzog.

Es gab insgesamt 3 Aussichtsplattformen, sich von keiner konnte man so richtig in die Schlucht hinein schauen. Hier wäre eine Drohne perfekt gewesen. Auf den Felsen wuselten auch noch ein paar kleine Echsen herum. Als ich ankam war außer mir niemand da. Später kamen noch 2 Autos, doch die verschwanden auch wieder ziemlich schnell ich hatte die Schlucht und die herrliche Ruhe für mich alleine und konnte das leise rauschen des Wassers tief unter mir sowie die Geräusche von Vögeln, Grillen und anderen Tieren genießen.

Ein paar der Felsen erinnerten an den Spielplatz der Riesen in Namibia, nur dass das Gestein hier grau war.

Leider gab es keine Wanderwege oder andere Möglichkeiten noch mehr von der Schlucht zu sehen, so dass ich noch ein wenig Tagebuch schrieb und nach ca. einer ¾ Stunde wieder weiter fuhr. 

5 Kilometer zurück Richtung Lubango gab es noch einen Wasserfall und einen „natural pool“. Ich beschloss noch einen Abstecher dorthin zu machen und hoffte, dass die Straße nicht all zu schlecht sei, da mein Motorrad mit über der Hälfte des Gepäcks doch ziemlich schwer war. Doch dem war leider nicht so. Unmittelbar nachdem ich von der Hauptstraße abbog wurde die Dirt Road unangenehm und ich kehrte um.

Also fuhr ich weiter in Richtung Christus Statue.

Die Statue selbst ist zwar geschlossen, so dass man sie nur von außen sehen kann und sie ist auch deutlich kleiner als ihr Vorbild in Rio, dennoch hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt. 

Leider sieht man aber such gut das enorme Ausmaß der Luftverschmutzung. Das erinnerte mich schon wieder an Indien. 

Das im Bild markierte rote, rechteckige Gebäude ist das Instituto Superior de Ciências da Educação (ISCED) in Lubango, Angola.

Da es erst 15:00 Uhr war, fuhr ich noch ins Zentrum zur Kathedrale. Die war allerdings ein recht schmuckloser Betonbau und geschlossen. Es gab auch 2 Banken bei denen ich nochmal versuchte Geld abzuheben. An der ersten bekam ich nichts, an der 2. hatte ich Glück und hob gleich 3 mal den Höchstbetrag von 60.000 Kwanza (ca. 57€) ab. Und die Bank berechnete nicht einmal Gebühren.

Blöderweise hatte ich keine Ahnung wie viel Geld ich in Angola brauchen würde. Die ersten Tage waren ja extrem günstig. Billige Unterkünfte, einmal billig gegessen einmal zum Abendessen und einmal zum Frühstück eingeladen worden. Somit hatte ich kein Gefühl was ich unter normalen Umständen pro Tag ausgeben würde. 

Doch ich hatte das Gefühl, dass ich mit unter 50€ pro Tag auskommen sollte. Steffi hat mir empfohlen so viel Geld abzuheben, dass ich bis Luanda komme. Das wären rund 400€. Doch ich denke mit den 180€ von heute und noch ca. 60€ die ich noch vom Geldwechseln an der Grenze hatte, sollte ich auch im schlechtesten Fall bis Namibe und zurück kommen. Dann wäre ich ja nochmal eine Nacht in Lubango und könnte dann nochmal Geld abheben.

Nach dem Geldabgeben schleuderte ich noch etwas über den Platz neben der Kathedrale wo eine Hochzeitsgesellschaft am Springbrunnen gerade Fotos machte.

Gegen 17:00 Uhr war ich zurück in meiner Unterkunft und musste mich schwer überwinden schon wieder kalt zu duschen. Wenn ich in 3 Tagen wieder zurück nach Lubango käme, würde ich mir eine andere Unterkunft suchen.

Ich entspannte ein wenig und schaute mir ein paar Instagram Videos an. Als ich duschen gehen wollte musste ich feststellen, dass es heute gar kein Wasser gab. Blöd. Also nur Katzenwäsche mit dem Waschlappen.

Ze erwartete mich pünktlich um 18:30 Uhr im Cafe do Monte. Sandro, der Präsident des Motorradclubs kam etwas später und es kam auch noch eine Frau, und später noch ihr Mann, aber die beiden sprachen kein Wort Englisch.

Wir hatten einen schönen Abend und quatschten viel übers Reisen. Sandro besorgte mir auch noch eine Unterkunft auf halbem Weg von Namibe nach Benguela. Die 400 Kilometer inkl. 100 Kilometer Schotterstraße wollte ich nicht an einem Tag fahren und auf Google Maps gab es dazwischen keine Unterkunft.

Aber so konnte ich dann wie anfangs geplant die Küstenstraße nehmen statt zurück nach Lubango kommen zu müssen.

Am Ende übernahm Sandro dann auch noch die Rechnung. Nachdem ich morgens schon von Ze zum Frühstück eingeladen wurde, war das ein billiger Tag. Ich zahlte lediglich 1,50 € beim Tanken und knapp 10 € für die Unterkunft. Nach dem teuren Namibia eine angenehme Überraschung für’s Budget.

Durch die Serra da Leba nach Namibe

Datum24.07.2026 – Tag 107
StartLubango
ZielNamibe
gefahrene Kilometer196 km
Kilometerstand69458 km

Ich wachte schon um 7:00 Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Auf der Toilette, die man nicht abschließen konnte, überraschte ich einen anderen Deutschen aus dem Nebenzimmer.

Das packen ging relativ schnell, doch ich verabschiedete mich noch von Lea und Val und unterhielt mich noch ein paar Takte mit den beiden Deutschen bevor ich los fuhr.

Ich steuerte direkt den Supermarkt von gestern an um zu Frühstücken. Dort traf ich Ze wieder, der dort scheinbar jeden Tag frühstückt. Er war allerdings in Eile so dass wir uns nur begrüßten und direkt wieder verabschiedeten.

Um 10:05 Uhr ging es dann los in Richtung Namibe. Das Navi zeigte 182 Kilometer an. Das sollte bequem zu schaffen sein.

Das Highlight der Strecke war die Serra da Leba, eine Bergkette mit einem tiefen Canyon den man über 7 Serpentinen hinunter fährt. Kurz nachdem ich 200 Kwanza (0,19€) als Eintritt bezahlte, ging eine kleine Straße links ab, die zu einem Aussichtspunkt auf der anderen Seite der Schlucht führte, von der man einen tollen Ausblick auf die Serpentinen hatte.

Als ich selbige dann gefahren bin hatte ich permanent den atemberaubenden Anblick der ca. 500 Meter hohen fast senkrechten Felswand vor mir. Beeindruckend.

Die Serra de Leba gehört zur großen afrikanischen Randstufe (Great Escarpment), die sich über Tausende Kilometer durch das südliche Afrika zieht und zu der auch die Drakensberge gehören.

Bis 13:00 Uhr wurde es immer heißer bis mein Thermometer 33 Grad anzeigte, doch nur wenige Minuten später waren es nur noch 22 Grad. 

Kurz vor Namibe hielt ich an einer Tankstelle und tankte knapp 4 Liter wurde aber übelst beschissen. Hier kostete das Benzin 3000 Kwanza (2,89€) pro Liter, statt der landesweit festgelegten 300. Das ist sogar deutlich teurere als derzeit in Deutschland. Da ich nur 4 Liter getankt hatte wollte ich keinen Aufstand machen und bezahlte. Ärgerte mich aber noch bis ich Namibe erreichte.

Dort fuhr ich direkt zum Restaurant Mar y Sol, das Steffi mit empfohlen hatte. Dort gab es nämlich über dem Restaurant sehr große und schöne Zimmer für knapp 30€ pro Nacht. Das hatte ich nach dem Schlafsaal von gestern mal nötig. Leider konnte die Klimaanlage nicht heizen und in der Dusche tröpfelte das heiße Wasser lediglich aus dem Duschkopf. 

Ich hoffte, dass ich das riesige Zimmer heute Nacht mit meinem kleinen Heizlüfter warm bekommen würde. Ach ja, und WiFi gab es nur an der Rezeption, bis in die Zimmer reichte das Signal nicht. Blöd. Wenn das so weiter geht reichen meine 20 GB mobiles Datenvolumen wohl nicht für die 4 Wochen in Angola.

Nach einer kleinen Siesta duschte ich und ging gegen 17:00 in Richtung Strand. Leider war es sehr bewölkt und es begann leicht zu nieseln. Ansonsten ware der Strand wohl ganz schön gewesen. Obwohl der Ort schon bessere Zeiten gesehen hat.

Zum Abendessen ging ich an der Strandpromenade in das Restaurant Liopa, das Steffi mir empfohlen hatte. Es war sehr geschmackvoll eingerichtet und die Bilder vom Essen auf Google Maps sahen sehr vielversprechend aus.

Da ich ziemlich hungrig war, bestellte ich mir vorweg eine Bohnensuppe und als Hauptspeise einen Zackenbarsch (Mero), der ausgezeichnet war. Ich war mir sicher ich würde morgen wieder kommen.

Großartiger Ausflug in den Iona Nationalpark

Datum25.07.2026 – Tag 108
StartNamibe
ZielNamibe
gefahrene Kilometer253 km
Kilometerstand69711 km

Leider konnte ich mich gestern Abend nicht vom Handy losreißen und schaute ein Kurzvideo nach dem anderen und schlief erst gegen 01:00 Uhr ein. Dementsprechend müde war ich heute morgen als ich um 9:00 Uhr aufstand. 

Ich bekam ein Omelette und ein Brötchen zum Frühstück.

Gegen 10:15 Uhr verließ ich meine Unterkunft, ging noch schnell in den kleinen Mini-Markt gegenüber um Wasser zu kaufen und machte mich dann auf den Weg nach Tombua, einem kleinen Fischerort am Rande des Iona Nationalparks. 

Die Straße dorthin war langweilig gerade, doch wenigstens neu und perfekt geteert. Es gab kein einziges Schlagloch. Die Landschaft war teils ebenfalls langweilig, aber es gab Abschnitte, die mich mit ihren Tafelbergen an Namibia erinnerten. Gegen Ende kam ich noch durch eine ganz bizarre Bergformation, die an die Mondlandschaft in Namibia erinnerte.

In Tombua angekommen nahm ich mir die Zeit und fuhr langsam durch den gesamten Ort und sog das lokale Leben dort auf. Es gab viele heruntergekommene Häuse, aber auch einige sehr schön bunte. Das Leben findet hier, anders als in Südafrika und Namibia hauptsächlich auf der Straße statt. Alle Menschen schauten mich neugierig an, doch ich wurde von den Kindern nicht so stürmisch und jubelnd begrüßt wie in Lesotho. 

Gegen 12:30 Uhr kehrte ich in einer Bar/Restaurant ein, das mir Steffi empfohlen hatte. Es war super schön eingerichtet und hatte ein ganz besonderes Flair. Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee trinken, doch in einem Fischerort am Meer, ließ ich mich dazu hinreißen einen gegrilltem Fisch zu bestellen. Wie überall dauerte es eine ganze Weile und ich machte mir ein wenig Sorgen, ob ich noch genug Zeit hätte die Schlucht und den Steinbogen im Nationalpark zu besuchen. Sonnenuntergang war heute um 18:00 Uhr.

Nun fuhr ich zum Arco. Der Weg dorthin war war teils sehr sandig und ich war froh, dass ich ohne Gepäck unterwegs war. Die Landschaft hier war traumhaft schön. Rund 500 Meter bevor ich laut Navi den Arco erreichte, kam ich an einen Parkplatz. Dort begrüßte mich Rogerio, der mich für einen Obulus von 5000 Kwanza zu dem Steinbogen führte.

Das Licht der Nachmittassonne war grandios, ließ die Berge in einem goldton schimmern und brachte die Kontraste erst richtig zur Geltung. Ich wäre gerne noch länger geblieben, doch ich wollte ja noch zum Colinas Canyon.

Leider spielte mir mein Navi einen Streich und schickte mich über die Straße, die Früher wohl mal die Hauptstraße war. Mittlerweile war sie aber unpassierbar, weshalb ich auf halbem Wege umkehren und die Umgehung nehmen musste. 

Irgendwann erreichte ich den Canyon und war extrem beeindruckt. Ich hatte mir zuvor keine Bilder davon im Internet angeschaut und war überrascht, dass es weniger ein klassischer Canyon war, als viel mehr ein Labyrinth von sandigen Wegen, die zwischen hohen Felswänden hindurch führten. Ich packte seit langem mal wieder meine Insta360 Kamera aus und machte Videos davon wie ich durch den Canyon fuhr.

Leider musste ich irgendwann umkehren, da es schon spät wurde. Doch blöderweise ist mir nicht aufgefallen, dass mich das Navi erneut über die nicht passierbare Hauptstraße geschickt hat. Dort traf ich mitten im Nirgendwo ein paar Menschen. Leider verstand ich sie nicht, da sie kein Englisch sprachen.

Als ich nun von der anderen Seite die Stelle erreichte an der es nicht weiter ging, kehrte ich erneut um und nahm die Umgehung. Das führte leider dazu, dass ich um 17:56 Uhr als die Sonne unterging, die geteerte Straße immer noch nicht erreicht hatte. 

Es fehlten noch 6 Kilometer, die zum Glück jedoch einfach zu fahren waren und ich konnte in der Dämmerung noch gut genug sehen.

Von hier waren es noch 40 Minuten zurück nach Namibe, doch ich musste zuerst noch meine Reifen aufpumpen. Vorne hatte ich lediglich 1,1 bar, was für die tiefen Sandpassagen perfekt war. 

Hinten hatte ich noch erstaunlich hohe 1,9 bar. Ich hatte eher mit 1,5 gerechnet. Dennoch hatte der Hinterreifen einen sehr guten Grip im Sand. Hätte ich ihn nicht in Windhoek aufziehen lassen, dann hätte ich mit dem alten zu ⅔ abgefahrenen Heidenau K60 Scout erhebliche Probleme gehabt und wäre mindestens einmal stecken geblieben. 

Da ich vom Hinweg ja wusste, dass die Straße kein einziges Schlagloch hatte, konnte ich zügig zurück nach Namibe fahren wo ich sofort zum gleiche Restaurant fuhr in dem ich schon gestern gegessen hatte und bestellte mir heute einen Oktopus. Wieder sehr lecker und für 7 € ziemlich günstig.