Ein nebliger Tag

| Datum | 04.02.2025 |
| Start | Chunchi |
| Ziel | Ambato |
| gefahrene Kilometer | 187 km |
| Kilometerstand | 36.865 km |
Heute Nacht hatte mich Montezumas Rache erwischt. Ich war mehrmals auf der Toilette, doch am Morgen fühlte ich mich ganz gut. Ich wusste nicht, ob es eine gute Idee war zu frühstücken, doch da es schon bezahlt war schaute ich mir mal an was es so gab. Und als ich schon mal da war, konnte ich auch nicht widerstehen. Heute gab es erstmals eine Scheibe Schinken und ein Stück Käse. Und statt Brötchen gab es Croissants. Dazu nahm ich dann für’s gute Gewissen statt Kaffee einen Kamillentee.
Als ich los fuhr lag der ganze Ort in eine Wolke gehhüllt.
Ich war kaum 5 Minuten unterwegs, da begann es auch schon zu regnen. Ich hatte eigentlich gehofft, die 15 Minuten bis zur Teufelsnase ohne Regenklamotten auszukommen und vor allem, dass sich die Wolken bis dahin verziehen. Doch dem war nicht so.
Als ich dann am Aussichtspunkt ankam, konnte ich gar nichts sehen, das gesamte Tal lag im Nebel.
Also fuhr ich weiter in Richtung Ambato. In Guamote verließ ich die Panamerikana (E35) und fuhr über eine schöne kleine Straße weiter nach Riobamba. Ab hier lichteten sich auch die Wolken und ich konnte den Weg nach Riobamba genießen.
Dort angekommen fuhr ich ins Zentrum zum zentralen Platz, der hier Parque Maldonado heißt, und zog meine Regensachen wieder aus. Zuerst parkte ich im Parkverbot und wurde sofort von einem freundlichen Polizisten darauf hingewiesen. Eine Seite am Platz weiter fuhr gerade ein Auto weg und ich konnte dort parken. Da kam dann auch sofort ein Mann, der Parkgebühren abkassieren wollte – 0,20$. Das konnte ich mir gerade noch so leisten.
Ich drehte meine Regensachen auf links und hing sie über eine Parkbank, so dass sie trocknen konnten. Währenddessen schaute ich nach einer Unterkunft in Ambato.
Nachdem ich ein vielversprechendes Hotel gefunden hatte, packte ich die getrockneten Sachen wieder zurück ins Motorrad und bummelte noch ein wenig über den Platz.
Von hier nahm ich wieder die E35 bis ich gegen 15:30 Uhr in dem Hotel in Ambato ankam. Ich hatte gehofft auf dem Weg dorthin einen Blick auf den Vulkan Chimborazo erhaschen zu können, doch der war leider von einer Wolke eingehüllt.
Das Hotel war nichts besonderes, doch das Bett war bequem und ich zahlte nur 11$ für die Nacht. Da der Parkplatz 2 Blocks weiter lag, musste ich mein Motorrad nochmal umparken.
Am Abend ging ich nochmal in die Stadt zum Parque Cevallos. Auf dem Weg dorthin kam ich an der Markthalle vorbei, und da ich seit dem Frühstück erst 2 Bananen gegessen hatte, ging ich mal rein und schaute mir an was es so gab.
Und was soll ich sagen, als ich schon mal da war, aß ich auch etwas. Ein typisch ecuadorianisches Gericht namens Llapingacho. Das sind gebratene Taler aus Kartoffelpüree mit einem Spiegelei und in diesem Fall mit ein paar Stückchen Blutwurst. Die Blutwurst ließ ich liegen. Zum einen wegen meiner Verdauungsprobleme und zum anderen weil ich Blutwurst nicht mag. Doch der Rest war sehr lecker. Ich nutzte noch die Gelegenheit und kaufte mir eine rote Pitahaya, die hatte ich in den letzten Tagen auf keinem Markt gesehen.
Nach meiner Runde durch den Parque Cevallos ging ich zurück zum Hotel und schrieb Tagebuch.
Morgen mache ich nochmal eine Runde um den Chimborazo in der Hoffnung, dass das Wetter dann besser ist.
Chimborazo – 2. Versuch

| Datum | 05.02.2025 |
| Start | Ambato |
| Ziel | Baños |
| gefahrene Kilometer | 181 km |
| Kilometerstand | 37046 km |
Bevor es los ging kaufte ich mir in der Bäckerei gegenüber noch einen Schokoladenkuchen und etwas das ich für eine Rosinenschnecke hielt. Den Kuchen aß ich direkt und war dann so satt, dass ich die Schnecke einpackte.
Als ich los fuhr, hatte ich tolles Wetter. Lediglich der Vulkan lag noch in den Wolken. Als ich anhielt um mir meine dünne Jacke unter die Motorradjacke anzuziehen, es wurde in der Höhe immer kälter, fuhr ein Motorrad mit Schweizer Kennzeichen an mir vorbei und grüßte mich.
Doch einen Augenblick später kehrte er um und fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Ich sagte, dass ich nur kurz für ein Foto angehalten hatte und um mir etwas wärmeres anzuziehen.
Er stellte sich als Pascal vor und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile am Straßenrand. Pascal ist schon seit über 2 Jahren mit einer Kawasaky Versys 650 unterwegs und wollte heute auch zum Chimborazo.
Wir fuhren ein Stück zusammen und tauschten zwischendurch auch mal die Motorräder. Von der Westseite könnte man den Vulkan fast komplett sehen. Wir hielten an und machten gegenseitig Fotos von uns.
Doch als wir zum Eingang kamen von wo aus man mit einem Bus noch weiter nach oben hätte fahren können, lag der Vulkan wieder komplett in einer Wolke eingehüllt.
Wir entschieden uns nicht rauf zu fahren und fuhren stattdessen noch ein Stück zusammen weiter und aßen in einer Tankstelle zu Mittag. Es gab einen super leckeren Burger, doch wir quatschten so viel, dass ich vergaß ihn zu fotografieren.
Hier trennten sich unsere Wege. Er fuhr weiter nach Süden, wo ich gestern her kam, und ich fuhr weiter nach Baños, einem sehr touristischen Ort mit einem Thermalbad direkt unter einem Wasserfall. Gut, dass ich mir in Vilcabamba eine Badehose gekauft hatte.
Und als wäre der Tag nicht schon gut genug gewesen, gönnte ich mir nach dem Bad noch eine Massage. So könnte jeder Tag verlaufen.
Morgen mache ich dann mit leichtem Motorrad einen Tagesausflug in die Umgebung zu einem Wasserfall bevor es übermorgen wieder weiter geht.
El Pailón del Diablo

| Datum | 06.02.2025 |
| Start | Baños |
| Ziel | Baños |
| gefahrene Kilometer | 55 km |
| Kilometerstand | 37101 km |
Heute gönnte ich mir den Luxus etwas länger zu schlafen.
Gegen 09:30 Uhr frühstückte ich die Schnecke, die ich mir gestern beim Bäcker gekauft hatte. Es waren allerdings keine Rosinen darin, sondern irgendwelche anderen getrockneten Früchte. Vielleicht Papaya, aber ich war mir nicht sicher.
Als erstes machte ich mich auf den Weg in eine Wäscherei. Ich sah auf Google Maps, dass es eine günstige in der Nähe gab und wenn ich schon mal 2 Tage irgendwo bin, dann kann ich auch die Chance nutzen.
Jetzt fuhr ich zum Wasserfall „El Pailón del Diablo“, was übersetzt „Schlucht des Teufels“ heißt. Ich hatte mir diesmal sogar eine Wanderhose und Wanderschuhe mitgenommen.
Doch da der Himmel komplett bewölkt war, war es nicht wirklich warm und ich dachte, ein paar Schritte zu einem Aussichtspunkt könnte ich auch in Motorradhose und -stiefeln machen.
Großer Irrtum. Der Weg führte nämlich die komplette Schlucht hinunter, fast bis zum Fluss. Ich war schon halb tot als ich unten ankam, doch die Aussicht war wirklich toll.
Ich habe auf meinen Reisen insbesondere in Asien schon so viele Wasserfälle gesehen, mit der Krönung im letzten Jahr als ich die Iguazu Fälle besuchte, dass ich dachte so ein „normaler“ Wasserfall könnte mich nicht mehr reizen.
Doch auch da hatte ich mich geirrt. Sowohl die Höhe, als auch die Lage mitten in der Schlucht hatten ihren Reiz.
Ich verbrachte einige Minuten unten um dem Getöse zu lauschen und vor allem um wieder zu Kräften zu kommen.
Der Aufstieg war ziemlich hart.
Als nächstes wollte ich zum „La Casa del Arbol“, einem Baumhaus mit Seilrutschen und Café, das mir der Typ aus meinem Hotel empfohlen hatte.
Doch noch unten im Tal fing es an zu regnen und ich hielt am nächste besten Restaurant. Ich dachte, vielleicht hört der Regen ja während des Essens auf.
Dem war sogar so, doch das war auch das einzig positive. Ich bestellte einen Grillteller und bekam eines der schlechteste Essen, die ich bis jetzt in Südamerika hatte. Das Fleisch war zäh, und die Fritten und der Reis waren kalt. Das beste an dem ganzen Gericht waren die beiden Spiegeleier. Und das für 8,50 $, einem der höchsten Preise, die ich bis jetzt für einen Restaurantbesuch ausgegeben hatte. Ein ziemlicher Reinfall, aber was soll’s. Passiert halt auch mal.
Nach dem Essen fuhr ich weiter zu dem Baumhaus. Der Weg dorthin über eine kleine kurvenreiche Straße war sehr schön, doch als ich oben ankam, lag alles in dichtem Nebel und ich konnte gar nicht sehen. Ich fuhr unverrichteter Dinge zurück nach Baños.
Dort hielt ich noch am Markt, kaufte mir eine Mango und dann holte ich mein Kleidung aus der Reinigung ab. Zum ersten Mal überhaupt wurde ich von der Dame aufgefordert mir meine Sachen anzuschauen, ob nichts verloren gegangen ist. Da ich mir nicht sicher war, was ich alles abgegeben hatte, konnte ich es auch nicht wirklich kontrollieren, doch es sah so aus als würde nichts fehlen. Falls doch würde ich es erst in den nächsten Tagen merken.
Zurück im Hotel machte ich mir ein paar Gedanken über meine Zukunft. Pascal hatte mich gestern auf dumme Gedanken gebracht. Er ist schon seit über 2 Jahren unterwegs. Gestartet ist er in der Schweiz und von dort ging es über den Balkan und die Türkei in den Iran, weiter nach Pakistan, Indien und Nepal. Dann mit dem Flugzeug mach Malaysia und von dort nach Thailand Kambodscha und Laos. Weiter mit dem Flugzeug nach Australien und von dort nach Südamerika.
Bis Laos, genau die Strecke von der ich immer geträumt hatte.
Und außerdem will ich auch noch ein paar Länder im südlichen Afrika bereisen, wie Angola, Namibia, Südafrika, Botsuana, Tansania und Kenia.
Aber das sind beides Reisen für die ich viel Zeit benötige.
Ich muss mal mit meiner Chefin sprechen, ob es irgendwie möglich ist eine Auszeit für 1½ Jahre oder so zu bekommen. Dann würde es ich auch lohnen meine Wohnung unter zu vermieten oder sogar ganz zu kündigen.
Mal schauen… Ich muss mich ja noch nicht heute entscheiden.
Am Abend ging ich nochmal kurz in den Ort um eine Kleinigkeit zu Essen. Auch wenn die Gegend hier wunderschön ist, der Ort selbst gefällt mir irgendwie nicht so gut. Kein schöner Markt, im Zentrum viel zu touristisch, kein schöner Hauptplatz und alles in allem keine guten Vibes.
Morgen geht’s weiter. Je nach Wetter entweder zur Laguna Quilotoa oder direkt nach Quito. Am Montag habe ich einen Termin in einer Werkstatt. Dort bekomme ich dann eine neue Kette und neue Reifen.



















































































