Du betrachtest gerade Copacabana, Titicacasee
Esel in Yumani, Isla del Sol

Nach einem leckeren Obstfrühstück packte ich meine Sachen und verabschiedete mich von Mark, Hund Fran sowie Marianela und Sebastian. Die beiden sehe ich vielleicht in Cusco wieder, falls wir zur gleichen Zeit dort sein sollten.

Dann machte ich mich auf den Weg nach Copacabana am Titicacasee. Dazu schickte mich Google Maps jedoch erst einmal queer durch La Paz wo ich beim steilen Aufstieg nach El Alto nochmal den Ausblick auf die Stadt und die Seilbahn genießen konnte.

Dummerweise ist in El Alto jeden Donnerstag und Sonntag Markt. Und das auf einer unglaublich großen Fläche. Da auf der Hauptstraße Stau war und ich mich nicht hindurchschlängeln konnte, da die Bolivianer aus zu viert nebeneinander auf 3 Spuren fuhren, entschied ich mich dem Rat von Google Maps zu folgen und in eine Seitenstraße abzubiegen. Doch dort waren sämtliche Straßen voll von Marktständen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen mitten in einen Markt zu fahren, wenn nicht 2 einheimische Motorradfahrer vor mir das gleiche getan hätten. Doch jetzt quälte ich mich eine halbe Stunde lang in Schrittgeschwindigkeit durch die Menschenmassen. Und dort wo ich abbiegen sollte, versperrten die Marktstände den Weg.

Letztlich schaffte ich es nach etwa 2 Stunden aus der Stadt heraus und hatte dabei lediglich 35 Kilometer zurückgelegt.

Nach einer weiteren Stunde langweiliger Schnellstraße, kam endlich der Titicacasee in Sicht. Die Strecke durch die Berge entlang dem See war ein Traum.

Doch um auf die Halbinsel zu gelangen auf der der Ort Copacabana liegt, musste ich eine Fähre nehmen. Und erneut bemerkte ich erst als ich schon auf dem Boot drauf war, dass ich wieder rückwärts runter muss. Doch dieses Mal war es nicht so Steil und ich kam ohne Umfaller von Board.

Nach einer weiteren ¾ Stunde entlang der Berghänge am Seeufer erreichte ich Copacabana.

Dort steuerte ich ein Hostal an, das ich auf Booking gefunden hatte. Eine wunderschöne Hacienda aus dem Jahr 1849 mit einem grandiosen Blick auf die Bucht. Und mein „Einzelzimmer“ bestand aus 2 Zimmern und einem Balkon. Der absolute Hammer. Und das beste ist, es gibt einen Gasheizer im Zimmer. Nachts soll es bis auf 7 Grand runterkühlen.

Kurz vor Sonnenuntergang ging ich in die Stadt und an den Hafen. Dabei schaute ich mir die Angebote für einen Bootsausflug zur Isla del Sol an, den ich am darauffolgenden Tag machen wollte.

In einem der vielen Restaurants aß ich das Tagesmenü aus Champignoncremesuppe, gebratener Forelle und einem kleinen Bananendessert. Und das ganze für unglaubliche 25 Bolivianos (3,34€).

Zurück in der Hacienda hatte der Gastgeber schon den Kamin im Kaminzimmer angefacht und ich nutzte die schöne Atmosphäre um mein Tagebuch zu schreiben. Morgen muss ich früh aufstehen, da das Boot schon um 9:00 Uhr los fährt und ich vorher noch ein Ticket kaufen und zum Hafen laufen muss.

Wandertag

Der Wecker riss mich um 7:30 Uhr aus dem Tiefschlaf. Leider bin ich am Abend zuvor zu lange bei YouTube hängengeblieben und war noch todmüde. Also habe ich den Wecker kurzerhand auf 9:00 Uhr gestellt (um noch Frühstück zu bekommen) und die Bootsfahrt auf einen anderen Tag verschoben. Gut, dass ich noch keine Tickets gekauft hatte.

Das Frühstück wurde dann in einem schönen Raum ebenfalls mit Kaminfeuer und toller Aussicht serviert. Es gab zwar nur Toast mit Marmelade (keinen Schinken oder Käse), aber dafür Rührei, ein riesiges Stück Papaya, eine Banane und frisch gepressten Orangensaft sowie gebrühten Kaffee, der viel besser war als das Instant Zeugs.

Beim Frühstück schaute ich mir auch den Wetterbericht an und musste feststellen, dass es morgen regnen und es erst am Sonntag wieder schön werden soll. Also fragte ich meinen Gastgeber, ob es möglich wäre noch 2 Tage länger zu bleiben. Kein Problem. Derzeit bin ich sowieso der einzige Gast. Später soll noch ein Deutscher kommen und morgen noch 2 weitere.

Da ich den Bootsausflug ja heute nicht machte, überlegte ich mir erst mal ein wenig am Strand entlang zu spazieren und dann mal weiter zu sehen. Da der Strand relativ lang war, entschied ich mich von meiner Unterkunft erst einmal vom Zentrum weg zu gehen um dann den kompletten Strand entlang zurück zu gehen.

Doch als ich den Ort verließ führte ein schöner Feldweg den Berghang entlang und ich ich lief in guter Forrest Gump Manier einfach weiter. Warum sollte ich umkehren, wo es hier doch so schön war?

Nach 2½ war ich rund 6½ Kilometer gegangen. Kein rekordverdächtiges Tempo, aber ich habe es genossen. Dort kam ich an einem Kap an, an dem eine Holzhütte Stand. Ich legte mich auf die Holzveranda und hörte dem plätschern der Wellen zu. Ich merkte gar nicht wie schnell die Zeit verging. Als dann ein paar Wolken aufzogen und der Wind ein wenig zunahm wurde es mir kalt und ich realisierte, dass ich 40 Minuten dort gelegen hatte.

Blick von einer Holzhütte

Es war genau 14:00 Uhr und ich machte mich auf den Rückweg. Nach einer Weile kam ich an die Stelle an der ich auf dem Hinweg von dem etwas höher gelegenen Weg am Berg hinunter an die Küste gegangen bin. Jetzt sah ich, dass es auch einen Weg weiter entlang der Küste gab, der mich nach weiteren 1½ Stunden zum Strand von Copacabana brachte. Der lud jetzt nicht unbedingt zum Sonnen oder Schwimmen ein, da er aus grobem Kies bestand, aber zum Spazieren war es toll.

Irgendwann erreichte ich dann den Hafen von Copacabana wo ich in einem der kleinen Essensstände eine Forelle bestellte. Im Gegensatz zu gestern Abend kostete die zwar 30 Bolivianos und es gab auch keine Suppe, dafür aber eine ganze Forelle (gestern Abend hatte ich in dem günstigen Menü nur eine halbe).

Und der Fisch war wieder exzellent auf den Punkt gebraten. Da es schon 17:30 Uhr war bummelte ich noch ein wenig am Hafen entlang und schlenderte dann langsam zum Platz vor der Kathedrale. Auf dem Weg gönnte ich mir noch einen Becher Erdbeeren mit Sahne als Nachtisch.

Auf dem Plaza Copacabana blieb ich noch bis die Sonne unterging und nahm mir dann ein Taxi zurück zu meiner Unterkunft. Es waren zwar „nur“ 900 Meter, aber das letzte stück geht so steil Bergauf, dass ich mir das nach der 13 Kilometer Wanderung nicht mehr antun wollte.

Straßenhunde auf dem Plaza Copacabana

Zurück in der Unterkunft saß Beni der andere Deutsche dann auch schon im Kaminzimmer. Da er aus Arequipa in Peru kam, also dort wo ich als nächstes hin will, tauschten wir uns ein wenig aus und gaben uns gegenseitig Tipps.

Kurztrip auf die Halbinsel Yampupata

Da es am Vormittag bewölkt war und es auch immer mal wieder regnete, ließ ich mir viel Zeit beim Frühstück und setzte mich anschließend noch mit dem Laptop in den Frühstücksraum an den Kamin und bearbeitete Bilder.

Gegen 12:00 Uhr ging ich dann in die Stadt, bummelte über den Markt und aß ein leckeres Ceviche an einem Straßenstand.

Nach längerer Beratung auf Spanisch bzgl. den Optionen für die Sonneninsel setzte ich mich an den Hafen und überlegte mir, was ich morgen machen will. Ich entschied mich für die Option auf die Nordseite der Sonneninsel zu fahren und den 8 Kilometer langen Wanderweg auf die Südseite zu gehen. Von dort gibt es dann um 16:00 Uhr wieder ein Boot zurück. Allerdings muss ich dann die Mondinsel auslassen. Doch nach ein wenig Internetrecherche fand ich einige Berichte in denen diese Variante empfohlen wurde.

Also kaufte ich mir ein solches Bootsticket für 40 Bolivianos und wechselte auch gleich noch 50 Dollar. Damit sollte ich die nächsten beiden Tage über die Runden kommen. Das Ticket für die Rückfahrt konnte ich leider noch nicht kaufen, das geht nur vor Ort.

Am Nachmittag nahm ich mir dann ein Taxi zurück zur Unterkunft um noch einen kleinen Ausflug mit dem Motorrad zu der Ortschaft Sampaya auf der Halbinsel Yampupata zu machen. Zu diesem idyllischen kleinen Bergdorf werden auch Ausflüge angeboten. Dadurch bin ich erst auf die Idee gekommen.

Der Weg dorthin war wieder eine wunderschöne Dirt-Road zum Teil an steilen Berghängen entlang mit tollem Ausblick auf den See.

Die Ortschaft war auf den ersten Blick etwas ernüchternd, doch als ich mein Motorrad an der Kirche abstellte, musste ich zu Fuß weiter und dort war der Ort und der Blick auf die Bucht wirklich schön.

Von hier bin ich dann weiter bis ans Ende der Halbinsel nach Yampupata. Ein kleines Fischerdorf. Doch das eigentliche Highlight war die Strecke selbst.

Zurück in Copacabana aß ich eine große Pizza und ließ mir wieder einen Teil davon als Proviant für morgen einpacken.

Pizza in Copacabana

Als ich dann wieder an meiner Unterkunft ankam, stellte ich fest, dass mir mein orangener Beutel mit meinen Motorradreinigungsutensilien geklaut wurde. Als ich mir die Fotos des Tages anschaute, sah ich dass er da schon weg war. Er wurde mir also auf dem Parkplatz meines Hostels geklaut. Ich hatte den Taxifahrer von heute Mittag im Verdacht, da er noch eine Weile mit laufendem Motor auf dem Parkplatz stand währen ich die Stufen zum Hostel hoch stieg. Das kam mir da schon etwas seltsam vor.

Soviel dazu, dass der Parkplatz sicher sei. In Zukunft werde ich nur noch dort übernachten, wo es abgeschlossene Parkplätze oder Garagen gibt.

Als ich abends zum Tagebuch Schreiben ins Kaminzimmer ging, traf ich dort nicht nur auf Beni, sondern auch noch auf 4 andere Deutsche, die heute angekommen sind und die ihre nächste Station, Machu Picchu, am planen waren.

Isla del Sol – oder Deutsche ohne Ende

Als ich den Frühstücksraum um 7:25 Uhr betrat waren erstmals 3 Tische gedeckt. Und als ich kurz vor 8 fertig war, traf kamen mir gerade 2 der anderen Deutschen entgegen und ich verabschiedete mich schnell. Schließlich sollte mein Boot um 8:30 Uhr ablegen und ich musste mir noch eine Flasche Wasser kaufen.

Heute mal nicht nur für mich gedeckt

Ich saß um 8:22 Uhr als erster im Boot und war etwas verwirrt, dass der nächste (übrigens auch ein Deutscher erst um 8:30 Uhr kam. Weitere 10 Minuten später kamen 2 deutsche Mädels und kurz drauf ein älteres deutsches Ehepaar mit Ihrer Tochter, die gerade mit der Uni fertig war. Um 8:50 Uhr fing das Boot langsam an sich zu füllen und ich hatte schon das dumme Gefühl, dass man mir eine falsche Uhrzeit genannt hatte. Ich fragte die anderen Deutschen und denen wurde 9:00 Uhr als Abfahrtszeit genannt. Doch bis die letzten an Board war und wir endlich los fuhren war es genau 9:17 Uhr. Ich saß also 55 Minuten in dem blöden Boot bevor es los ging. 🙁

Dann fuhren wir 2 Stunden nach Challapampa, der Ortschaft im Norden der Isla del Sol. Dort wurden wir direkt am Hafen von einem Führer abgefangen, der uns als gesamte Gruppe zu den Sehenswürdigkeiten im Norden führte. Leider sprach er nur Spanisch.

Zuerst besuchten wir den Mesa Ceremónica auf dem die Inka früher Opfer darbrachten und auf den wir alle unsere Hände auflegten während eine Dame eine Art Gebet auf Aymara sprach. Unser Guide meinte es sei um Kraft zu tanken.

Als nächstes war das Chincana Labyrinth an der Reihe, das ein ritueller Ort war, an dem die Priester der Inka meditierten. Dort gab es auch noch eine Quelle mit „Wunderwasser“ mit dem wir uns alle das Gesicht wuschen und das sich einige der Peruaner in Flaschen abfüllten.

Von dort ging es noch zum Roca Sagrada, dem heiligen Felsen an dem laut der Sage, ein Gott den ersten Inka und seine Frau zur Erde schickten. Interessant fand ich, dass dieser Felsen Titi Kala (Titi = Puma, Kala = Felsen) genannt wurde und danach dann später der See seinen Namen enthielt. Früher hatte er einen anderen Namen, aber den habe ich nicht richtig verstanden.

Roca Sagrada, Isla del Sol

Von hier ging der größte Teil der Gruppe in den Ort zurück und fuhr mit dem Boot zu einer anderen Insel. 2 andere Deutsche und ich hatten allerdings den Plan über die komplette Insel zu Wandern und von Yumani, der Ortschaft im Süden, wieder zurück nach Copacabana zu fahren.

Beni hatte mir gestern Abend gesagt die Wanderung würde lediglich 2½ Stunden dauern. Ich rechnete eher mit 3.

Allerdings wusste ich nicht, ob das Sightseeing da schon inbegriffen war. Später stellte sich heraus, dass es das nicht war. Wir verließen die Gruppe um 13:00 Uhr und machten uns über den Pfad, den sowohl die Inka benutzt, aber der schon von Völkern vor den Inka angelegt wurden. Genauso, wie die Heiligtümer die wir soeben besichtigt hatten. Die wurden wahrscheinlich schon 1500 v. Chr. erbaut und von den Inka nur erobert.

Die Ausblicke von dem Wanderweg waren fantastisch. Allerdings holte uns leider der Regen ein und für eine halbe Stunde fiel ein wenig Wasser vom Himmel. Zum Glück nicht so viel, dass es mich komplett durchnässt hätte. Die billige Jacke aus El Alto war sogar ein wenig imprägniert. So hatte ich auf der 2. Hälfte des Weges bis Yumani genug Zeit um wieder einigermaßen zu trocknen.

Während des Regens machten die beiden Deutschen (nach deren Namen ich leider nicht gefragt hatte) eine etwas längere Pause und ich lief erst einmal alleine weiter.

Ich überholte noch 2 Frauen und als es aufhörte zu regnen lief ich auf ein anderes deutsches Paar auf mit denen ich eine Weile weiterlief. Auch die habe ich leider nicht nach ihrem Namen gefragt. Irgendwann schlugen sie ein Tempo an, dass ich nicht mehr mithalten konnte. Und da sie auch eine Unterkunft in Yumani hatten kamen sie gar nicht mit zum Hafen um das Boot zu erreichen.

Ich verabschiedete mich und ging langsam weiter bis die 2 Frauen wieder aufholten und die sprachen witzigerweise auch deutsch (eine Deutsche und eine Schweizerin). Und kurz dahinter kam dann das deutsche Paar mit denen ich losgegangen war.

Zusammen erreichten wir Yumani, schauten uns dort noch schnell den Brunnen der Ewigen Jugend und die Inka-Treppe an und stiegen über selbige hinab zum Hafen. Dort kamen wir genau rechtzeitig an um das letzte Boot um 16:00 Uhr zu bekommen.

Ich war kaum auf dem Boot, da wurden schon die Leinen los gemacht und es ging los. Allerdings nicht direkt nach Copacabana wie uns zuvor gesagt wurde, sondern erst mal zu einem Sonnentempel noch etwas weiter südlich. Es war wohl auch ein Tourboot, das diesen Halt noch auf dem Programm hatte und uns einfach mitnahm. Ich nutze die Gelegenheit, stieg aus und schaute mir den Tempel auch noch an.

Dadurch kamen wir allerdings erst um 18:00 Uhr in Copacabana an, was für mich kein Problem war, jedoch für eine Gruppe von Franzosen, da sie einen Bus nach La Paz gebucht hatten, der um 18:00 Uhr los fahren sollte. Keine Ahnung, ob sie ihn noch bekommen haben.

Ich machte kurz vor dem Aussteigen noch ein Selfie mit den 2 Frauen und an Land noch eins mit dem Paar mit dem ich den größten Teil des Weges zurückgelegt hatte.

Dann genoss ich noch ein wenig die Abendsonne am Hafen, bevor ich in einem Restaurant ein leckeres Ceviche aß.

Ceviche

Da ich heute mal kein Taxi zurück nahm, traf ich in einer Gasse noch auf einen riesigen Steinkopf, dem Cara del Inca. Allerdings konnte ich dazu im Internet keine Informationen finden.

Cara del Inca, Copacabana

Ich überlegte noch nach einer abgeschlossenen Garage zu suchen und mein Motorrad umzuparken. Allerdings war es nach dem Essen schon dunkel und ich hatte keine Lust mehr von meinem Hotel bei Dunkelheit den schlechten Feldweg zur Hauptstraße zu fahren. Also ließ ich es noch einmal darauf ankommen und hoffte, dass man mir mein Motorrad nicht klauen würde. In Zukunft nehme ich mir nur noch Unterkünfte wo das Motorrad hinter einer verschlossenen Tür oder einem verschlossenen Tor steht.