Heute machte ich mich auf den Weg nach La Paz. Dachte ich zumindest. Doch das Hostel von Oscar liegt in Calacoto, rund 10 km vom Zentrum von La Paz entfernt.
Ich frühstückte 2 übriggebliebene Stücke Pizza von gestern Abend und packte mein Motorrad. Oscar (der aus Argentinien) war auch noch da. Wir plauderten noch ein wenig und ich fragte ihn nach seinen Plänen. Wegen des Spritmangels fährt er als nächstes nach Copacabana und lässt das Tiefland aus.
Dann ging es endlich los. Die ersten 40 Kilometer waren wieder super. Zuerst von Coroico runter ins Tal und dann die Ruta 3 Richtung La Paz.
Je höher ich kam, desto dichter wurden die Wolken und kurz nach der Abzweigung zur Death Road befand ich mich in dichtem Nebel und es begann zu regnen. Nicht schön bei 13 Grad.
Die Straße stieg weiter und weiter an und ich fror mir den Arsch ab. Natürlich hatte ich kein Innenfutter oder einen Pullover greifbar. Seit ich ins Tiefland gefahren war, packte ich die warmen Klamotten ganz unten in den Koffer.
Auf 4470 Meter an der Laguna Estrellani waren es dann nur noch 8 Grad, doch es hatte wenigstens aufgehört zu regnen. Und ich hatte noch keine Probleme mit der Höhe. Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich nach 2 Wochen Tiefland, wieder mit Kopfschmerzen etc. zu kämpfen hätte.
Von hier ging es wieder bergab nach La Paz. Die ersten Tankstellen hatten leider immer noch kein Benzin, doch die 4. die ich anfuhr hatte endlich welches. Und es gab erstaunlicherweise auch keine langen Schlangen. Doch der Tankwart wollte mir wieder nichts verkaufen, da ich ja kein bolivianisches Nummernschild hatte. Ich bettelte ein wenig und fragte, ob er mir die Kanister voll machen würde, wenn ich das Motorrad ein paar Meter weiter parken würde.
Das war ok für ihn und ich ließ ihn beide Kanister 2 mal füllen, so dass ich insgesamt 8,5 Liter bekam. Ich war jetzt genau 825 Kilometer unterwegs auf denen keine Tankstelle Benzin hatte (außer der einen, die nicht an Ausländer verkaufte). Gut, dass ich zwischendurch auf dem Schwarzmarkt tanken konnte.
Ein paar Kilometer später fand ich noch eine YPFB Tankstelle wo ich dann komplett voll tanken konnte. Und da der Computer nicht funktionierte bekam ich den Sprit sogar zum Einheimischenpreis. Endlich mal wieder ein komplett voller Tank. Gutes Gefühl.
Bei immer wieder mal einsetzendem leichten Regen fuhr ich weiter zum Hostel von Oscar (dem La Paz Oscar). Den Schlüssel fand ich in einer Schlüsselbox und mein Motorrad konnte ich in der Tiefgarage parken. Soweit alles gut. Bis auf dass das Gebäude ziemlich abseits liegt und die Straße dorthin extrem steil ist.
Nach einer heißen Dusche wollte ich etwas Essen gehen, doch es begann schon wieder zu regnen. Also erst mal an den Computer. Und langsam setzte auch ein flaues Gefühl im Bauch ein. 3800 Meter nach 2 Wochen Tiefland sind wohl doch nicht so ohne. Wenigstens habe ich noch keine Kopfschmerzen.
Kurz bevor ich verhungerte, höre der Regen auf und ich ging in die Stadt. Leider ein sehr mühsames Unterfangen, da meine Unterkunft sehr hoch auf einem Berg liegt und die Straße hinunter sehr steil ist. Unten angekommen ging ich erst einmal zum Food Court „Las Cholas“ am Parque „La Florida“. Dort aß ich ein leckeres Schweinefleisch Sandwich.
Gesättigt spazierte ich weiter in eine Richtung, die ich für eine Art Zentrum hielt. Zumindest wurde dort auf Google Maps prominent eine Kirche angezeigt.
Allerdings ist die Gegend nicht sonderlich sehenswert. Auf dem Weg zur Kirche, der leider auch komplett bergauf ging, kam ich an dem Yamaha Händler vorbei wo ich morgen eine Inspektion machen lassen will. Mittlerweile bin ich schon 20.000 Kilometer in Südamerika gefahren.
Noch ein paar Blocks weiter kam ich dann endlich zu der sehr modernen Kirche. Drinnen war gerade Gottesdienst, weshalb ich nicht hinein ging.
Ich chillte noch ein wenig auf dem Platz vor der Kirche und dann aß ich noch einen leckeren Hamburger im Restaurant gegenüber.

Von dort nahm ich einen der kleinen Busse um wieder runter zum Park zu kommen. Vor dem Plaza Alexander von Humboldt standen ein paar Taxis und ich fragte das erste, was es kostet mich nach Hause zu bringen. 15 Bolivianos ~ 2€. Dafür tue ich mir nicht die Strapazen an, den Berg zu Fuß hoch zu gehen.

Im Hostel traf ich dann noch auf die anderen Gäste. Mark aus England, der mit einer 1150er BMW GS und seinem Hund Fran im Beiwagen durch Südamerika reist und einen Ort zum Auswandern sucht. Und ein Paar aus Argentinien. Sie heißt Marianela und er heißt witzigerweise auch Sebastian.
Am Abend setzten dann doch die Kopfschmerzen ein. Ich war wohl doch zu lange im Tiefland. Aber eine IBU half um einschlafen zu können.
Über den Dächern von La Paz
Heute morgen waren die Kopfschmerzen weg und ich fühlte mich recht gut. Außerdem traf ich Oscar zum ersten mal persönlich. Ich bat ihn für mich in der Yamaha Werkstatt anzurufen, ob ich dort heute einen Ölwechsel machen lassen könnte. Kein Problem, ich sollte gleich vorbei kommen. Oscar war so nett und fuhr mit mir um für mich zu übersetzen. Außerdem traf er sich bei dem Yamaha Händler noch mit Paul, einem anderen deutschen, dessen Motorrad vom Zoll beschlagnahmt wurde. Er hatte vergessen beim Grenzübergang sein Motorrad korrekt anzumelden und als er jetzt Bolivien verlassen wollte wurde es konfisziert. Da er jetzt als Backpacker weiterreist, wollte er ein paar Sachen mit der Post nach Hause schicken und Oscar war so nett ihn zu begleiten und bei DHL für ihn zu übersetzen.
Als ich mein Motorrad um 10:30 Uhr abgegeben hatte, hatte ich noch keinen Plan, was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Oscar empfahl mir eine Runde mit der Gondelseilbahn über La Paz zu machen, insbesondere, da die Seilbahnstation nur 2 Blocks entfernt von der Yamaha Werkstatt liegt.
Da ich vor 2 Tagen meine Kappe in einem Restaurant in Coroico liegen gelassen hatte, suchte ich zuerst hier noch nach einer neuen, da ich mich vom Spaziergang gestern noch erinnerte, dass es hier ein paar Straßenläden in den Seitengassen gab. Leider wurde ich nicht fündig.
Dann nahm ich die Seilbahn und genoss den Ausblick über die Stadt. La Paz ist einfach verrückt. Dort stehen Häuser auf Berghängen, die so aussehen, als würden sie beim nächsten Regen sofort abstürzen.
Nach ein paar mal Umsteigen landete ich in El Alto. Der 2. Millionenstadt in Bolivien nach Santa Cruz mit geschätzt 1,1 Millionen Einwohnern, Somit ist El Alto noch größer als La Paz als dessen Elendviertel es begann. Interessant ist auch, dass La Paz nicht mehr weiter wächst, da es durch die umliegenden Berge begrenzt ist, El Alto aber genug Platz hat um sich weiter auszudehnen.
Dort auf 4100 Metern Höhe stieg ich aus und bummelte durch die Straßen. Interessanterweise habe ich heute auch keine Kopfschmerzen mehr. Scheinbar bin ich doch noch etwas an die Höhe gewöhnt.
An einem der Straßenstände fand ich dann auch eine neue Kappe. Ich hatte es mir an den Ständen allerdings etwas lebhafter vorgestellt, von dem was ich im Internet gelesen hatte. Vielleicht lag es aber auch am Wetter. Mit 11 Grad und gelegentlichen Regentropfen war es nicht gerade Flanierwetter. Ich spazierte entlang der Avenida de 16 Julio zwischen 2 der Seilbahnstationen. Hier gab es auch wieder eine Menge Motorrad- und später Autoersatzteilgeschäfte. Witzigerweise werden hier gebrauchte japanische Motoren mitten auf der Straße angeboten.
Da ich nur mit einer dünnen Jacke unterwegs war fror ich mir den Arsch ab sobald die Sonne verschwand. Deshalb entschloss ich mich kurzerhand an so einem Second Hand Wühltisch nach einer Jacke zu schauen. Ich bin ja auch in Peru noch öfter in der Höhe und da ist es schon nicht schlecht, wenn ich nicht immer mit der Motorradjacke herumlaufen muss. Außerdem liegt sie so eng an, dass ich sie auch unter der Motorradjacke anziehen kann, wenn es mal richtig kalt wird.
Zurück in der Seilbahn genoss ich weitere Ausblicke auf die verschiedenen Viertel der Stadt. Als ich von der roten zur orangenen Linie wechselte, sah ich einen alten Eisenbahnwaggon und entschied mich die Seilbahnstation nochmal zu verlassen. Ich schaute mir den alten Waggon sowie das alte Bahnhofsgebäude an. Mehr gab es dort allerdings nicht zu sehen. Also stieg ich wieder in die Bahn und setzte meine Panoramatour fort. Es war schließlich auch schon 16:00 Uhr und ich wollte ja um 17:00 Uhr mein Motorrad abholen.
Von hier musste ich mit orange, weiß, blau und grün noch 4 weitere Linien nehmen bis ich endlich wieder zurück in Calacoto war.
Und auch wenn man für jede Linie einzeln zahlen muss (3 Bolivianos), kostete mich die gesamte Panoramatour über Calacoto, La Paz und El Alto am Ende nur 30 Bolivianos (4€). So viel wie ein einzelnes S-Bahn-Ticket von Offenbach nach Frankfurt.
Zurück in Calacoto holte ich mein Motorrad ab. Einen sonderlich professionellen Eindruck machte der Laden allerdings nicht. Meine Rechnung war lediglich ein Post-It. Dafür war es günstig. Ölwechsel inkl. Filterwechsel 50€.

Auf dem Heimweg hielt ich nochmal am Park und aß ein Sandwich de Chola, wie gestern.
Zurück in der Unterkunft musste ich dann aber feststellen, dass die Werkstatt vergessen hatte meine Kette zu spannen. Also holte ich das noch nach.
Nachdem ich ein wenig Reisetagebuch geschrieben und Oscar ausführlich von den vergangenen Stationen meiner Reise berichtet hatte, hat Marianela, die Argentinierin Hackfleisch-Kartoffelpüree-Auflauf gekocht. Ich war zwar satt, aber aus Höflichkeit aß ich noch ein wenig mit. Es war sehr lecker. Allerdings sind die späten Essenszeiten (es war schon wieder nach 21:00 Uhr) nichts für mich. Mit vollem Bauch kann ich nicht gut schlafen.
Stadtbummel in La Paz
Als ich aufwachte regnete wes mal wieder. 🙁
Marianela und Sebastian waren so nett und hatten schon Frühstück vorbereitet und Kaffee gekocht. Wir frühstückten zusammen und unterhielten uns so gut es ging. Mark, der Engländer, übersetzte ein wenig, obwohl sein Spanisch auch nicht besonders gut war.
Anschließend stellte ich eine Maschine Wäsche an und versuchte mich mit meinem Laptop in meiner Firma einzuloggen um noch ein paar Pflichtschulungen zu machen. Leider funktionierte das nicht, da ich für die 2-Faktor Authentifizierung eine eingerichtete Authenticator App benötigte, die ja aber auf dem geklauten Handy war. Um sie auf dem neuen Handy einzurichten musste ich wieder einen Code per SMS erhalten. Aber dafür brauchte ich wieder meinen Bruder, der meine Ersatz-SIM-Karte hatte. Der war aber nicht erreichbar.
Als die Wäsche fertig war, zog ich mir noch ein paar wärmere Sachen an und wollte gerade los zur Seilbahnstation um nach La Paz zu fahren. Da kam Oscar und meinte er würde jetzt sowieso mit Mark zum Tierarzt fahren und könnte mich mitnehmen. Das nahm ich natürlich gerne an.
In La Paz spazierte ich erst mal ins Zentrum. Oscar hatte mir einen Tipp für ein gutes Restaurant gegeben, das so beliebt ist, dass man sich normalerweise in einer langen Schlange anstellen muss. Da es aber schon 14:00 Uhr war, als ich ankam musste ich lediglich 10 Minuten warten bis ich einen Platz an der Theke bekam.
Der Kellner sprach gut Englisch und erklärte mir das Menü von dem ich mir als Vorspeise „relleno de platano“ (gefüllte Banane), als Hauptgang „picante de pollo“ (scharfes Hühnchen) und als Nachtisch „tuna“ (Sorbet aus irgendeiner Kaktusfrucht mit Maracuja Creme) aussuchte. Vorneweg gab es sogar noch einen Gruß aus der Küche, frisch gebackenes Brot mir einer scharfen Soße und einem Becher Salat. Alles war hervorragend, lediglich die Soße des scharfen Hähnchens war absolut überhaupt nicht scharf. Ich mischte ein wenig von der anderen Soße dazu und dann war es perfekt.
Gut gesättigt ging ich zum Witches Market mit seinen Lamaföten, der allerdings ziemlich touristisch ist. Jedoch konnte ich nicht widerstehen mir ein T-Shirt mit einem Lama auf einem Motorrad und der Aufschrift „Llamaha“ zu kaufen.
N
icht weit von dem Markt gab es ein Coca-Museum, das ich besuchte. Die Ausstellungsstücke waren alles nur Fotos, die auch nicht wirklich viel mit der Beschreibung zu tun hatten, aber die Informationen, die es hier sogar auf Deutsch gab waren sehr interessant. Und das Timing war auch sehr gut, da es während meines Musemsbesuches draußen regnete.
Von hier ging ich vorbei an der Basilica San Francisco zum Plaza Metropolitana Murillo an den die „Catedral Metropolitana Basílica Nuestra Señora de La Paz“ sowie der Präsidentenpalast und das Parlament angrenzen. Hier setzte ich mich eine Weile auf eine Bank und schaute den Kindern zu wie sie die Tauben fütterten.
Auf dem Heimweg aß ich noch eine leckeres Chorizo Sandwich und einen Spieß mit Schokoerdbeeren und fuhr dann mit der Seilbahn zurück. Im Dunkeln sieht die Stadt nochmal ganz anders aus als im Hellen.
Valle de la luna
Noch vor dem Frühstück telefonierte ich mit meinem Bruder in Deutschland und wir richteten meine Authenticator App ein, so dass ich jetzt wieder in der Lage bin mich in das Netz meiner Firma einzuloggen.
Zum Frühstück zauberte uns Mark ein „English Breakfast“ allerdings mit bolivianischen Chorizos und ohne Bohnen, die ich nicht wirklich vermisste. 😉
Anschließend fuhren wir alle zusammen ins Valle de la Luna. Eigentlich sind Hunde dort verboten, doch nach etwas Verhandlung von Oscar durfte der Hund mit rein. Wir mussten der Dame am Ticket-Schalter allerdings zeigen, dass wir Wasser und Plastiktüten für den Hund dabei hatten. Oscar kam allerdings nicht mit, da er noch etwas zu erledigen hatte.
Dann spazierten wir 1½ durch die Mondlandschaft, machten viel zu viele Fotos und trafen auf einem Aussichtspunkt noch ein paar Schweizer, die wie es der Zufall so will einen Motorradfahrer aus Azul kennen, der Stadt aus der Sebastian und Marianela kommen. So klein ist die Welt.
Anschließend trafen wir uns wieder mit Oscar und fuhren in ein kolumbianisches Burger-Restaurant zum Mittagessen. Super Burger…
Zum Nachtisch gab es noch ein Eis in der Eisdiele um die Ecke und gerade als es begann zu regnen fuhren wir wieder zurück ins Apartment.
Ich loggte mich bei mir in der Firma ein und machte meine jährlichen Pflichtschulungen zu Geldwäsche und Bestechung. Anschließend ließ ich mir von allen die Fotos des heutigen Tages geben und saß eine Weile an deren Bearbeitung. Das dauerte bis 18:30 Uhr und mir viel auf, dass ich noch Wasser brauchte.
Also fuhr ich nochmal in die Stadt und nutzte die Gelegenheit um in der Markthalle auch gleich noch frisches Obst für’s Frühstück morgen zu kaufen.

Auf dem Rückweg hielt ich nochmal bei den Cholas und aß ein Sandwich zu Abend.