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| Datum | 01.03.2026 – Tag 140 |
| Start | Dandeli |
| Ziel | Amboli |
| gefahrene Kilometer | 159 km |
| Kilometerstand | 57752 km |
Da hatte ich endlich mal wieder ein super bequemes Bett und dann vermieste mir eine Stechmücke die Nacht und helt mich von 2:00 Uhr bis 5:00 Uhr wach. Als ich um 9:00 Uhr aufstand, fühlte ich mich wie gerädert.
Zu meinem Durchfall konnte ich noch nichts sagen, da ich bis zur Abfahrt nicht mehr richtig auf der Toilette war.
Als ich aus-checken wollte, fragte mich der Typ an der Rezeption, ob ich schon gefrühstückt hätte. Ich fragte unwissend, ob es denn Frühstück gäbe und er meinte, ja, das wäre im Zimmerpreis enthalten und schickte mich ein Stockwerk höher ins Restaurant. Dort setzte ich mich in voller Motorradmontour hin und nahm mir etwas von den Vermicelli Nudeln und 3 Pfannkuchen mit Kokosnuss-Chutney. Ich war ein wenig besorgt, wie mein Magen darauf reagieren würde, da die Nudeln durchaus scharf waren. Aber es war umsonst und nach 2 Tagen musste ich mal wieder etwas Richtiges essen.
Dann begann ich meine heutige Etappe um 10:10 Uhr. Kurz nach dem Losfahren, hielt ich nochmal an einem Kokosnuss-Stand und trank eine Portion Kokoswasser. Dass sol gut für den Magen-Darm-Trakt sein. Sagt zumindest die KI.
Die Fahrt war heute eher langweilig. Ich fuhr viel über autobahnartige Straßen oder über Landstraßen mit extrem vielen Schlaglöchern. Die Landschaft war flach und von Feldern geprägt.
Irgendwann fiel mir ein, dass ich noch Geld abheben muss. Ich machte einen kleinen Umweg über Belgaum, wo ich nochmal eine Tankstelle mit 95 Oktan Benzin sowie im 3. Anlauf einen Geldautomaten fand.
Auch die restliche Strecke bis Amboli war nichts besonderes. Dort angekommen fiel mir auf, dass ich kein einziges Foto während der Fahrt gemacht hatte.
Dafür war das Hotel, das ich mir zuvor rausgesucht hat ein absoluter Glücksgriff. Es hatte einen wunderschönen Garten, ein Restaurant mit Außenbereich und ich bekam ein schönes Zimmer. Und das alles für knapp 2100 Rupien. Ich musste dazu allerdings online buchen. Vor Ort wollte die Dame an der Rezeption 2600 Rupien.
Den Nachmittag verbrachte ich im schattigen Außenbereich des Restaurants und aß ein Sandwich mit Fritten während ich über die Haltbarkeit der Verschleißteile an meinem Motorrad recherchierte. In Südafrika brauche ich auf jeden Fall neue Bremsscheiben.
Als die Sonne etwas tiefer stand, legte ich mich auf eine Liege am Pool. Wer weiß, vielleicht würde ich morgen auch mal ins Wasser gehen. Ich hatte das Hotel für 2 Nächte gebucht.
Zum Abendessen hatte ich Fischcurry mit Reis, das mich allerdings ein wenig enttäuscht hat. Die Curries, die ich am der Küste hatte, waren bedeuted besser. Der Fisch heute schmeckte irgendwie etwas muffig. Vielleicht war er nicht frisch. Ich sollte im Landesinneren besser keinen Fisch mehr essen.
Ein schöner Tag in einem schönen Hotel
| Datum | 02.03.2026 – Tag 141 |
| Start | Amboli |
| Ziel | Amboli |
| gefahrene Kilometer | 0 km |
| Kilometerstand | 57752 km |
Da das Hotel gerade nicht so viele Gäste hat, gab es kein Buffet-Frühstück sondern ein kleines Menü. Ich bekam ein Omelette, ein Aloo Paratha und ein Pav Sabji, also en weiches Brötchen mit einer Konsistenz wie ein Milchbrötchen und dazu einen Gemüseeintopf. Dazu noch etwas Obst, einen Wassermelonensaft und einen Kaffee. Gemessen an dem Hotelpreis von 20€ ein wirklich gutes Frühstück.
Ich saß noch eine ganze Weile am Tisch und las noch 300 Nachrichten aus der WhatsApp Gruppe für Motorradfahrer in Afrika. Ich hatte da die Nachrichten der letzten paar Tage auflaufen lassen.
Nun war es an der Zeit nochmal Wäsche zu machen. Ich hatte einen schönen Balkon am Zimmer wo die Wäsche gut trocknen konnte. Das wollte ich nochmal ausnutzen.
Und wo ich schon mal am Waschen war, baute ich auch gleich noch den Schaumstoffluftfilter aus meinem Motorrad aus und wusch ihn ebenfalls aus. Doch diesmal wollte das Öl einfach nicht komplett raus gehen. Ich wusch ihn zuerst im restlichen Wasser der Kleiderwäsche mit dem normalen Kleiderwaschmittel und anschließend noch ein paar mal mit heißem Wasser und Flüssigseife. Doch ein paar Reste des widerlich klebenden Öls blieben dennoch drin. Was solls, kann so schlimm nicht sein.
Dann baute ich den Deckel des originalen Papierluftfilters aus um mir dessen Zustand mal anzuschauen. Im Vergleich zu dem letzten, den ich in Ecuador und Kolumbien noch ohne den Schaumstoffvorfilter gefahren bin und der damals ziemlich verdreckt war, sah dieser hier wie neu aus. Eigentlich wollte ich ihn in Südafrika im Rahmen einer Inspektion tauschen, doch das erscheint mir nun völlig überflüssig. Der Vorfilter scheint wirklich gute Arbeit zu leisten.
Danach setzte ich mich mit meinem Laptop auf die Hotelterrasse und kümmerte mich um einige organisatorische Dinge. Ich suchte z.B. nach möglichen Hotels in Mumbai, schrieb den Typen von der Lagerfirma an, wo ich meine Transportkiste eingelagert hatte und schrieb auch nochmal meiner Transportfirma, um den genauen Zeitplan zu erfahren, wie der Motorradversand in Mumbai abläuft.
Außerdem recherchierte ich noch einige Dinge bzgl. der anstehenden Reise durch Südafrika (z.B. nach guten kompakten Zelten, Ausrüstung, die man in Afrika mitnehmen sollte, nach guten Werkstätten für eine Inspektion etc.) und bearbeitete die Bilder der letzten Tage.
Leider gab es auch seit 3 Tagen ein Problem mit meiner Webseite und der Betreiber antwortete mir nicht. Ich kann keine Bilder mehr hochladen und somit keine weiteren Reiseberichte veröffentlichen. Blöd. Ich kann noch nicht mal an meine Daten rankommen um sie zu einem anderen Betreiber zu migrieren. Strato ist echt ein Saftladen.
Dann machte ich mich daran, den gewaschen Luftfilter wieder zu ölen und einzubauen. Wie immer eine ziemliche Sauerei. Doch da ich das Öl nicht nach Südafrika mitnehmen darf, wollte ich es ein letztes Mal benutzen bevor ich es wegwerfen muss.
Nun schrieb ich einen Post mit dem ich mich in der Afrika WhatsApp Gruppe vorstellte. Ich las ja schon seit einigen Monaten passiv mit, doch jetzt wo die Reise kurz bevorsteht, wollte ich mich vorstellen und habe auch gleich ein paar Fragen gestellt.
Außerdem habe ich mir die Route in Afrika etwas genauer angeschaut und gemerkt, dass es gar keine so gute Idee ist das Motorrad in Sambia ein halbes Jahr zu parken, da das nicht gerade in der Hälfte meiner Route liegt. Doch eine weitere Recherche ergab, dass man lediglich in 3 Ländern ein Fahrzeug für 6 Monate parken kann – Südafrika, Namibia und Sambia.
Mein Plan ist nun von Botswana nochmal kurz zurück nach Südafrika zu fahren und das Motorrad dann in Johannesburg zu parken. Dort habe ich auf iOverlander einige Langzeitparkplätze gefunden.
Zum Abendessen gab es dann ein leckeres Kadai Paneer.
Zum ersten mal im Pool nach knapp 5 Monaten Reise

| Datum | 03.03.2026 – Tag 142 |
| Start | Amboli |
| Ziel | Niwali |
| gefahrene Kilometer | 236 km |
| Kilometerstand | 57988 km |
Ich stand schon um 8:30 Uhr auf, da ich heute einen kleinen Umweg durch die Berge machen wollte. Doch ich kam letztlich erst um 10:00 Uhr los, da das Frühstück einfach zu lecker war und ich mich auf der Hotelterrasse so wohl fühlte. Ich bekam neben dem Masala Omelette eine Portion Masala Poha. Ich wusste nicht was das war, aber es war lecker. Anschließend bekam ich dann noch einen Teller mit den kleinen frittierten Donuts mit Kokos-Chutney und Sambar. Dazu Wassermelone und einen Milchkaffee. Das Frühstück ist echt top in diesem Hotel.
Dann fuhr ich los und schon nach ein paar Kilometern kam ich auf eine schöne kleine Nebenstraße. Dort wurde ich plötzlich von ein paar Kindern angehalten, die einen langen Ast wie einen Schlagbaum quer über die Straße hielten. Ich wusste nicht was los ist und fragte auf Englisch was das sollte. Sie lachten, hebten den Ast hoch und ließen mich weiterfahren. Ich verstand nicht was das sollte und dachte vielleicht spielen sie einfach nur.
Doch ein paar hundert Meter weiter wurde ich erneut auf die gleiche Weise angehalten. Diesmal von älteren Jungs von denen einer ganz gut Englisch sprach. Er erklärte mir, dass sie das wegen dem Holy-Fest machen und weil ich Schuhe an hätte, sollte ich ihnen 20 Rupien für eine Kokosnuss geben. Das machte immer noch keinen Sinn, doch ich gab ihnen die 20 Rupien und hoffte, dass das nicht so weiter gehen würde.
Doch die Hoffnung wurde nicht erfüllt. Im Bereich von jeder keinen Ortschaft wurde ich angehalten, doch ich hatte weder genug Kleingeld, noch war ich willig jedes Mal zu bezahlen. Also habe ich die Kinder meistens etwas harsch angeschiehen, sie sollen mich durchlassen und dann taten sie es auch.
Ich war mal wieder etwas angefressen, da ich das als eine Art Wegelagerung empfand.
Doch nach 20 Stopps hatte ich einen längeren Abschnitt auf dem ich nicht belästigt wurde und während ich so darüber nachdachte, merkte ich dass es auch kaum anders war als Halloween im Westen. Da wird man ja auch unter Androhung von Saurem dazu genötigt Süßes rauszurücken.
Am 21. Stopp waren dann ausnahmsweise mal 2 Mädchen dabei. Zuvor traf ich nur auf Männer. Diesmal habe ich nochmal bezahlt. Und nutzte dann auch die Gelegenheit um ein Foto von der Situation zu machen.
Von da an hatte ich mit der Hitze zu kämpfen. Ich fuhr über einen kleinen Pass, bei dem es sogar ein paar Gemälde am Straßenrand auf den Felsen gab sowie eine schöne Aussicht ins Tal. Da bemerkte ich, dass das Thermometer 36 Grad anzeigte. Zuerst dachte ich, das sei weil ich angehalten hatte und die Wärme vom Motor zum Thermostat hochgestiegen sei, doch als ich los fuhr und wieder Fahrtwind hatte, stieg das Thermometer sogar auf 37 Grad. Und dann konnte ich gefühlt im 5-Minuten-Takt zuschauen wie die Temperatur stieg. Bis auf 41 Grad. Es war höllisch heiß.
Doch das hielt zum Glück nur eine halbe Stunde an, bevor es wieder auf unter 40 Grad ging. Immer noch zu heiß.
Ich suchte mir erneut ein Resort-Hotel mit Pool. Diesmal ein wenig teurer als das letzte aber dafür sogar noch etwas schöner. Der Pool war auf jeden Fall schön groß und ich ging zum ersten Mal in den 4½ Monaten, in denen ich jetzt hier bin, schwimmen. Bei der Hitze war das total angenehm. Wobei es mit untergehender Sonne dann im Pool auch wieder frisch wurde.
Um 19:30 Uhr ging ich zu Abend essen. Das Restaurant sah sehr edel aus und auf dem Eingangsschild stand schon „fine dining“, doch die Preise waren absolut im Rahmen. Ich hatte mal wieder Lust auf Hühnchen, doch ich wollte mal was Neues probieren und nicht immer Kadai oder Butter Chicken essen.
Deshalb bestellte ich mir heute ein Chicken Mughlai. Laut ChatGPT ist es mild-würzig mit einer cremigen Soße aus Cashews und Mandeln. Ich war gespannt.
Die Soße war eher rustikal und tomatig, aber extrem lecker. Es war vielleicht das beste Curry, das ich Indien gegessen habe. Dazu nahm ich Garlic Naan und Butter Kulcha. Beides lecker. Da es kein Lassi gab, entschied ich nicht für eine Buttermilch.
Zum Nachtisch hatte ich noch 2 Bällchen Eis. Alles zusammen für 710 Rupien, nach heutigem Kurs 6,61€. Dafür bekomme ich beim Inder in Frankfurt vielleicht gerade einmal das Brot.
Ich saß am Ende bis 21:15 Uhr dort und war der einzige Gast. Dafür haben sie 3 Kellner und wer weiß wie viele Leute in der Küche engagiert. Das hat sich heute Abend definitiv nicht gerechnet.
Zurück auf meinem Zimmer packte ich schon wieder ein wenig vor, da ich morgen einigermaßen zeitig los kommen wollte. Ich hatte nochmal eine 6-stündige Etappe vor mir, da ich möglichst nahe an Mumbai heran kommen möchte um übermorgen nur noch eine kurze Etappe vor mir zu haben. Ich würde sicherlich etwas Zeit brauchen um ein Hotel zu finden, meine Klamotten auszusortieren und zu sortieren und anschließend das Motorrad ins Parkhaus zu bringen. ChatGPT empfahl mir ein Einkaufszentrum mit einem guten Parkhaus wo ich mein Motorrad sicher abstellen könnte.
Strecke machen nach Navi Mumbai

| Datum | 04.03.2026 – Tag 143 |
| Start | Niwali |
| Ziel | Navi Mumbai |
| gefahrene Kilometer | 315 km |
| Kilometerstand | 58303 km |
Die Nacht war furchtbar. Ich hatte vielleicht 4-5 Stunden geschlafen. Die Temperaturregelung der Klimaanlage funktionierte nicht. Unter Volllast war es arktisch kalt und ohne Klimaanlage war es unerträglich warm. Dazu kam, dass ich noch von einer Stechmücke heimgesucht wurde.
Gegen 8:30 Uhr stand ich auf und packte meine Sachen. Ich wollte heute so nah wie möglich an Mumbai heran fahren, so dass ich morgen schon gegen Mittag ankommen würde um genug Zeit zu haben ein Hotel zu suchen.
Da in meiner Übernachtung kein Frühstück inbegriffen war, fuhr ich gleich los.
Die Strecke war total langweilig und ging den ganzen Tag nur über Schnellstraßen. Ich wollte ja Strecke machen.
Gegen 12:30 Uhr machte ich eine Pause und aß eine leckeres Masala Dosa.
Die Hitze wurde langsam unerträglich. Das Thermometer zeigte schon wieder 40 Grad und etwas später sogar 41.
Ich hielt immer mal wieder an um meine E-Mails zu checken, da ich in ständigem Kontakt mit der Transportfirma stand um den Ablauf der nächsten Tage zu koordinieren.
Sie schickten mir auch die Adresse von einer Firma, die mir meine Transport Kiste zusammenbauen würde, oder falls sie die Lagerung nicht überstanden hätte, dann würden sie mir auch eine neue bauen. Dort wird das Motorrad dann auch verpackt und geht zum Hafen.
Als ich sah, dass die Firma in Navi Mumbai war und es in der Nähe ein paar Hotels gab, entschied ich mich bis dorthin durch zu fahren. Ich erreichte das Hotel, das ich mir herausgesucht hatte kurz vor 17:00 Uhr. Bei immer noch 35 Grad.
Das Zimmer roch zwar ziemlich schlecht, doch das Bett war bequem, es gab einen Parkplatz und es waren nur 6 Kilometer bis zu der Firma wo ich es für den Versand verpacken würde. Also blieb ich und buchte das Hotel für 3 Nächte. Anschließend wollte ich in die Innenstadt von Mumbai umziehen, in das Hotel wo ich damals schon war. Das liegt in der Nähe des Büros der Transportfirma und ist besser zum Sightseeing geeignet.
Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte räumte ich alles aus dem Motorrad, was nicht mit verschifft werden darf (Öl, Kettenreiniger, etc. ) und schaute nochmal alle Taschen und Koffer durch um eine komplette Inventur zu machen.
Danach buchte ich mir per Uber ein Tuk Tuk zu einem Geschäft, das Taschen und Koffer verkauft. Ich brauche ja etwas um die Sachen unterzubringen, die ich für die restlichen Tage in Mumbai behalte. Ich war gespannt, ob ich nochmal so ein Schnäppchen machen würde wie in Bangalore, wo ich ja eine große Tasche für 650 Rupien bekam.
Die Fahrt war ziemlich holprig. Ich fahre wirklich nicht gerne Tuk Tuk. Um 19:38 Uhr kam ich an dem Geschäft an. In der Straße gab es 3 Geschäfte für Koffer und Taschen. Ich begann zu shoppen.
Ich war ziemlich geschafft von dem heißen Tag und ließ mich gleich im ersten Laden bequatschen. Ich kaufte eine Tasche, die etwas kleiner war, als die in Bangalore und 750 Rupien kostete. Dafür war sie aus einem sehr leichten Material. Besser zum Tragen.
Doch nachdem ich sie gekauft hatte, fiel mir ein, das ich damit ja auch nach Südafrika reisen würde und dorthin noch eine Menge Ersatzteile mitnehmen würde. Dafür war sie wahrscheinlich zu klein.
Hier gab es auch ein gut bewertetes Restaurant in dem ich allerdings nur eine Kleinigkeit bestellte. Ein paar Stückchen Hühnchen ohne Knochen in einer Marinade, deren Namen ich in dem Moment vergessen hatte in dem mir der Kellner die Speisekarte weg nahm. Dazu ein Naan Brot und Tafelwasser. Ich wollte heute nicht schon wieder so viel ausgeben. Und auch nicht so viel essen. Ich werde in den nächsten Tagen in Mumbai noch zu genüge in Versuchung geführt werden.
Motorradkiste Teil 1
| Datum | 05.03.2026 – Tag 144 |
| Start | Navi Mumbai |
| Ziel | Navi Mumbai |
| gefahrene Kilometer | 0 km |
| Kilometerstand | 58303 km |
Ich hatte wieder nicht gut geschlafen. Daran muss ich mich bei diesen Temperaturen wohl gewöhnen…
Ich stand um 8:30 Uhr auf, duschte mich und ging in den Frühstücksraum. Es gab ein kleines aber gutes Buffet. Besonders das Sambar, das ich zu den Uttapam gegessen hatte, war sehr lecker.
Um 9:45 Uhr rief ich mir ein Uber und fuhr zu Mustafa ins Büro der Transportfirma um mit den Formalitäten zu beginnen und abzusprechen, wann und wie wir die Motorradkiste von der Lagerfirma abholen und zu Asgar dem Schreiner bringen wo sie zusammengebaut und das Motorrad darin verpackt wird.
Die Fahrt durch den zähen Verkehr in Mumbai war quälend langsam. Beim Start wurde noch eine Fährzeit von einer Stunde und 25 Minuten prognostiziert, doch am Ende war ich über 2 Stunden unterwegs (für 36km) und erreichte das Büro um 11:50 Uhr. Wenigstens sind die Uber hier in Indien extrem günstig. Für die 2 Stunden Fahrt zahlte ich lediglich 7,50 €. Definitiv besser als mich auf dem Motorrad ohne Klimaanlage durch die Hitze zu quälen.
Ich unterschrieb einige Dokumente und gab mein Carnet de Passage ab. Wir klärten noch einige offene Fragen und einigten uns auf eine etwas spätere Verschiffung als ursprünglich geplant, da die Lagerkosten im Hafen von Mumbai nur etwa 20% von denen in Durban betragen.
So habe ich ein paar Tage mehr in Deutschland um mich auf Afrika vorzubereiten und mehr Zeit mit meiner Familie und um Freunde zu besuchen.
Ich hatte vor erst nach Ostern nach Durban zu fliegen.
Um 13:30 Uhr verließ ich das Büro und ging zur Metro um mich langsam in Richtung der Lagerfirma zu bewegen. Dort wollte ich mich um 15:00 Uhr mit Asgar treffen, der die Transportkiste begutachten wollte, bevor wir sie zu ihm transportieren würden.
Ich konnte gar nicht glauben wie angenehm die Fahrt mit der Metro war. Keine laute Musik, kein unentwegtes Hupen und eine sehr angenehme Klimaanlage. Die paar Meter vom Büro zur Metro waren schon wieder unglaublich heiß.
Ich überlegte mir, ob ich mir für die letzten Tage in Mumbai nicht lieber ein schönes Hotel etwas außerhalb suche, dass ich dann nicht mehr verlasse, als mir etwas in der Innenstadt zu suchen und beim Sightseeing einen Hitzeschlag zu erleiden. Ich würde heute Abend nochmal gründlich recherchieren.
Ich kam um 15:20 Uhr bei der Lagerfirma an wo Aryun schon auf mich wartete. Meine Sachen standen schon am Straßenrand
Und auf den ersten Blick sah alles gut aus. Zumindest war alles vollständig. Als ich mich dann bei Mustafa nach Asgar erkundigte, sagte er mir, Argar hätte Probleme einen LKW zu mieten und es würde noch eine Weile dauern.
Daraufhin hat Aryun von der Lagerfirma direkt mit Asgar telefoniert und in Erfahrung gebracht, dass er nicht vor 18:00 Uhr ankommen würde. Dann bot mir an, er könne für 3000 Rupien innerhalb von 10 Minuten einen LKW besorgen. Ich klärte das mit Mustafa ab, damit er den anderen LKW abbestellen konnte und tatsächlich war 10 Minuten später der Kleinlastwagen da.
Die Jungs verluden die einzelnen Bretter meiner Kiste und dabei fiel mir auf, das an einem Brett ca. 10 cm abgebrochen waren. Die hatten wahrscheinlich den Pfosten irgendwie abgerissen.
Ich war nicht erfreut, doch ich konnte es nicht ändern. Letztlich behielt ich 500 Rupien dafür ein. Ich bezahlte sowieso viel zu viel.
Wenigstens kamen wir gut durch den Verkehr. Und obwohl der Laster keine Klimaanlage hatte, war es erstaunlich erträglich mit dem Fahrtwind durch die offenen Fenster. Auch wenn ich bei jedem Schlagloch die Befürchtung hatte, dass mir die Winkel an den Brettern abreißenn könnten. Sie wurden natürlich lediglich in den LKW reingelegt, ohne jegliche Sicherungsmaßnahmen. Ich hoffte, dass wir am Ende nicht doch eine komplett neue Liste bauen müssten.
Gegen 17:00 Uhr erreichten wir dann unser Ziel.
Beim Auspacken fanden wir noch einen 2. Defekt. An der Bodenplatte fehlte eine Auflage für den Gabelstapler. Und zwar an der kurzen Seite, wo sie noch eine ganze Menge zur Stabilität beigetragen hatte.
Außerdem waren einige Schrauben einfach rausgerissen worden. Totale Stümper. Und für das Auseinanderbauen wurden mir 30 Euro berechnet, weil Arvun dafür angeblich einen professionellen Schreiner engagieren wollte. Was für Betrüger.
Und dann der nächste Hammer. Als der Fahrer des Lastwagens wieder fahren wollte, gab ich ihm 100 Rupien als Trinkgeld, da die Werkstatt nicht an der Stelle war, die mir gesagt wurde. Stattdessen musste er noch ein paar hundert Meter weiter fahren. Und da noch ein anderer Lastwagen eine Kiste am abholen war, musste er auch noch 10 Minuten warten. Da dachte ich ein kleines Trinkgeld wäre angebracht. Doch dann wollte er, dass ich ihn die gesamte Fahrt von 1100 Rupien bezahlte. Da wollte mich Aryan von der Lagerfirma wohl erneut bescheißen. Nicht nur, dass er mir 3000 Rupien berechnete für eine Fahrt die nur 1100 Rupien gekostet hatte, er ging wohl auch davon aus, dass ich die Fahrt am Ende stillschweigend bezahlen würde. Doch ich gab das Telefon dem Fahrer und die beiden vereinbarten eine sofortige online Zahlung. Hier in Indien gibt es etwas ähnliches wie PayPal was von allen Indern genutzt wird. Zumindest ging das glatt und der Fahrer hat sein Geld bekommen.
Doch dann begann die Diskussion mit Asgar. Ihm gefiel mein Holz nicht, und auch nicht, dass 2 Teile kaputt waren. Ich meinte, dass er die Bodenplatte reparieren sollte, da sie ja mit den Zurrösen schon perfekt vorbereitet war. Ich vermute er wollte lieber eine neue Kiste bauen, da er daran mehr verdienen würde.
Eines der kleinen Seitenteile, von dem ein ca. 10 cm breiter Streifen abgebrochen war, wollte er komplett neu machen. Da stimmte ich zu. Wobei ich mir nicht ganz sicher war, ob wir uns richtig verstanden, denn er sprach kaum Englisch. Jedenfalls verabredeten wir uns am nächsten Tag für 10:00 Uhr um die Kiste zusammenzubauen und das Motorrad einzupacken. Allerdings habe ich auch keine Ahnung wie in diesem Hinterhofschuppen später die 450 kg schwere Kiste in den Lastwagen geladen werden soll. Vielleicht wieder mit viel Man-Power. Ich will gar nicht dran denken.
Dann rief mir Asgar ein Tuk Ruk für gerade mal 20 Rupien. Es ist immer wieder erstaunlich, dass Einheimische nur 10-20% von dem bezahlen, was die Fahrer normalerweise von mir wollen. Hätte ich selbst gefragt, hätte er sicherlich 100 oder gar 200 Rupien aufgerufen.
Naja, zurück am Hotel ging ich erst mal etwas essen. Ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gehabt. Ich wagte es nochmal ein Chicken Biryani zu bestellen. Damit hatte ich in Hyderabad ja schlechte Erfahrungen gemacht, dort war es fast ungenießbar scharf. Hier sagte man mir es sei „medium spicy“ und ich riskierte es. Es kam eine riesige Portion, die ich nicht ganz aufaß. Sie war zwar im Nachgang ordentlich scharf, aber sehr lecker. Nun hatte ich wenigstens einmal auf dieser Reise ein gutes Biryani gegessen.
Nach dem Essen ging ich zur Rezeption und fragte nach einem neuen Zimmer. Nachdem der Duft des Raumerfrischers in der Nacht nachgelassen hatte, stank das Zimmer immer schlimmer nach Zigaretten. Man gab mir anstandslos ein anderes Zimmer, das zwar keinen Schreibtisch hatte, dafür aber um Welten besser roch.
Anschließend sortierte ich den Rest meiner Sachen und legte alles bereit, was morgen noch ins Motorrad sollte. Dann würde sich zeigen, wie das mit der Box läuft. Da Asgars Werkstatt auch in einer ziemlich abgelegenen Ecke liegt, die nur über eine unbefestigte Straße erreichbar ist, habe ich keine Ahnung wie das Motorrad am Montag auf einen Lastwagen verladen werden soll. Einen Gabelstapler hat Asgar jedenfalls nicht. Und während das Ausladen mit 8 Kerlen ja noch irgendwie funktioniert hatte, kann ich mir nicht vorstellen wie man eine 450 kg schwere Kiste auf die Ladefläche eines Lastwagens heben will. Und das schlimmste ist, dass ich nicht dabei sein werde. Asgar organisiert das wohl ganz alleine.
Als Mustafa nachfragte, wie alles gelaufen sei, erzählte ich meine Geschichte und fragte ganz nebenbei, wie das Motorrad denn ohne Gabelstapler verladen werden könne. Er antwortete, dass Asgar sich für solche Fälle einen Gabelstapler mieten würde. Hier in Indien kann man wohl alles mieten.
Dennoch überlegte ich mir, ob es nicht vielleicht eine gute Idee wäre beim Verladen dabei zu sein. Ich würde das mal mit Mustafa besprechen, sobald das Motorrad verpackt wäre.
Da ich am Montag allerdings schon in Mumbai Downtown wohnen wollte, hieße das wieder eine 2 stündige Fahrt pro Weg und Kosten von 18€ hin und zurück. Aber ich denke, dass ist es wert. Sollte beim Verladen etwas schief gehen und ich wäre dabei, dann könnte sich zumindest niemand rausreden. Auch wenn ich nicht weiß, ob mir das wirklich etwas bringen würde.
Am Abend entschied ich mich dann noch das Motorrad schon mal für morgen zu packen. Und dann ist mir eingefallen, dass ich morgen zum Verpacken ja auch noch die Scheibe, den Navi-Halter und die Rückspiegel abbauen muss. Da ich die Befürchtung hatte, dass morgen ein stressiger Tag werden würde, baute ich die Teile kurzerhand sofort ab. Ich hatte auf meinem Parkplatz ausreichend Licht und die 4 km bis zu Asgar sollte ich auch so schaffen.
Motorradkiste Teil 2
| Datum | 06.03.2026 – Tag 145 |
| Start | Navi Mumbai |
| Ziel | Navi Mumbai |
| gefahrene Kilometer | 37 km |
| Kilometerstand | 58340 km |
Eine weitere furchtbare Nacht. Obwohl das neue Zimmer viel besser rocht und das Bett noch bequemer ist, konnte ich nicht einschlafen. Ich machte mir viel zu viele Gedanken, was heute wohl alles passieren könnte. Und zu allem Überfluss hatte ich dann auch wieder eine Stechmücke im Zimmer, deren Stiche furchtbar juckten.
Gegen 3:00 Uhr bin ich dann wohl eingeschlafen. Der Wecker klingelte um 8:30 Uhr.
Ich duschte schnell, zog mich an und ging frühstücken. Ich fuhr bei gefrierpunktnahen 32 Grad los. Perfektes Wetter für körperliche Arbeit.
Ich erreichte die Werkstatt von Asgar um 10:05 Uhr, doch von ihm war weit und breit nichts zu sehen. Ich schickte ihm eine WhatsApp, dass ich angekommen sei, doch darauf hatte er nicht reagiert.
Dann schreib ich Mustafa, er möge ihn bitte anrufen.
Er schrieb mir zurück, das Asgar auf dem Weg sei, doch es gäbe einen Stromausfall, weshalb wir das Motorrad heute nicht verpacken könnten. Wie hätte es auch anders sein sollen. Ich glaube es gibt ein Naturgesetzt des Universums, dass in Indien niemals irgendwas reibungslos funktionieren kann. Wäre dem so, würde das Universum kollabieren.
So langsam zweifele ich daran, ob diese Weltreise eine gute Idee war, denn in Afrika soll alles ja noch viel unzuverlässiger und schlimmer sein, was ich mir momentan nicht vorstellen konnte.
Asgar erklärte mir dann auf sehr gebrochenem Englisch, dass jeden Freitag der Strom abgestellt wird. Ich fragte ob das wegen dem Islam sei. Er sagte ja. Ich schätze das hier ist ein muslimisches Viertel. Ich fragte mich allerdings warum er mich dann überhaupt einbestellt hatte.
Wir begannen trotzdem schon mal die herausgerissen Schrauben zu entfernen und genauer zu begutachten, ob wir die Teile noch verwenden könnten. Die Bretter waren schon in einem relativ schlechten Zustand, doch ich dachte es würde noch gehen.
Ich würde auf jeden Fall versuchen noch ein paar Holzschrauben mit Sechskantkopf zu kaufen um sie zusätzlich mit der Ratsche reinzudrehen, da einige der Gewinde und Einschlagmuttern auch rausgerissen waren.
Dann rief ich Mustafa nochmal an, damit er für mich übersetzen konnte. Asgar wollte, dass ich morgen um 12:30 Uhr nochmal komme und wir das Motorrad dann verpacken. Ich sagte Mustafa, er solle Asgar erklärten, dass ich ihm noch schnell zeigen wollte, wie die Kiste später zusammengesetzt wird, damit er versteht, welche Teile verschraubt oder vernagelt werden können und wo ich mit Gewindeschrauben gearbeitet habe, um die Kiste am Zoll nochmal öffnen zu können.
Doch er zeigte auf ein abgebrochen es Brett und verschwand auf seinem Roller. Ich hatte keine Ahnung, ob er nochmal wieder kommen würde. Ich stellte ein paar Teile der Kiste auf einen freien Platz in der Hoffnung, er würde bald zurück kommen, so dass ich es ihm zeigen könnte.
Gerade als ich anfing ungeduldig zu werden, kam Asgar auf seinem Roller angefanhren. Im Schlepptau einen Kleintransporter mit einer OSB Platte um die defekte Platte an meiner Kiste zu ersetzen.
Ich zeigte ihm die 3 Seiten, die ich in der Zwischenzeit aufgebaut hatte und erklärte ihm, dass diese 3 Seiten „fix“ seien und der Rest mit Gewindeschrauben verschlossen wird, so dass ich die Teile am Hafen leichter öffnen könnte für die Zollinspektion.
Dabei habe ich festgestellt, dass einige Einschlagmuttern fehlten und 2 der Eindrehmuttern ausgerissen waren.
Ich verabredete mich mit Asgar für heute Abend 19:00 Uhr. Da wurde die Sonne nicht mehr so brennen und es gäbe auch wieder Strom. Aktuell waren es schon 38 Grad. Tendenz steigend.
Bis zum Abend wollte ich versuchen die fehlenden Teile zu besorgen, sowie noch ein Paar Holzschrauben mit Sechskantkopf, so dass ich die anstelle der Gewindeschrauben verwenden könnte, dort wo die Eindrehmuttern ausgerissen waren.
Doch zuerst montierte ich wieder meine Rückspiegel. Da ich noch ein paar mal hin und her fahren würde, war mir das ohne Rückspiegel zu riskant.
Dann fuhr ich zurück zu meinem Hotel und verlängerte mein Zimmer nochmal um eine Nacht. Ich glaubte nicht daran, dass wir heute Abend mit allem fertig werden würden. Vorher hielt ich noch schnell an einer Tankstelle und füllte einen knappen Liter Benzin in meinen Ersatzkanister. Der Tank muss zum Verschiffen so leer wie möglich sein. Das hatte ich auf dem Weg nach Mumbai so kalkuliert und jetzt ist er ziemlich leer. Doch da ich noch ein paar mal hin und her fahre, wollte ich sicher gehen, nicht irgendwo ohne Sprit liegen zu bleiben.
Dann suchte ich am Handy ein paar Läden heraus, die möglicherweise Schrauben verkaufen könnten und machte mich auf den Weg.
Wie zu erwarten gab es insbesondere die Einschlagmuttern nicht. Doch im 5. Laden, den ich abklaoperte bekam ich auch die. Allerdings in der Größe M10 statt M6, weshalb ich dort auch die entsprechenden M10 Schrauben und einen passenden 17er Schraubenschlüssel kaufte.
Außerdem kaufte ich mir für 9,50€ noch einen großen Koffer, da die Reisetasche, die ich mir vorgestern kaufte, für den Flug nach Südafrika zu klein ist.
Anschließend ließ ich mein Motorrad nochmal waschen, so dass es einigermaßen sauber verpackt werden kann.
Dann kaufte ich mir ein Kachori und 2 Samosa, die ich mit ins Hotel nahm. Ich hatte ziemlichen Hunger.
Im Hotel telefonierte ich mit meinen Eltern. Sie wollten natürlich wissen wie es gelaufen war und ich erzähle ihnen von dem ganzen Chaos.
Dann ruhte ich mich noch ein wenig aus und fuhr um 19:00 Uhr zum Shop von Asgar. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich 10 Minuten zu spät war, doch der Shop war abgeschlossen und von Asgar war nichts zu sehen.
Ich rief Mustafa an, ob er bei Asgar mal nachfragen kann, doch er ging nicht ans Telefon. Dann versuchte ich es selbst bei Asgar, in der Hoffnung ihn irgendwie verstehen zu können.
Das einzige was ich Versand war „Seven thirty“. Tja, so sind die Inder. Also wartete ich. Es blieb mir ja nichts anderes übrig.
Der ganze Müll, der hier herumlag stank recht unangenehm und ich hatte auch keine Ahnung, wir in der spärlichen Beleuchtung hier arbeiten wollten. Aber wie gesagt. Was blieb mir übrig.
Es ist schon ein echt blödes Gefühl, wenn man in einem fremden Land so hilflos ist. Ich hoffe in Afrika habe ich weniger von diesen Situationen. Südamerika war in dieser Beziehung um ein Vielfaches besser.
Um 20: 00 Uhr kam Asgar dann endlich und wir fingen an. Als erstes schnitten wir ein neues Seitenteil aus der Platte, die er sich morgens hatte liefern lassen.
Dann begannen wir die fest montierten Teile der Box zusammenzubauen. Es war eine Mühsame Arbeit, da er die meisten Schrauben von Hand eindrehte. Er hatte zwar eine Bohrmaschine, doch mit der konnte er nicht so richtig umgehen. Sie hatte viel zu viel Power und drehte viel zu schnell, so dass einige der Schrauben wieder ausrissen. Die ersetzten wir dann durch längere, in der Hoffnung, dass das halten würde.
Um 22:00 Uhr waren wir für’s Erste fertig. Die beiden Seitenwände waren montiert. Ich packte mein Werkzeug und wir machten aus, dass ich am nächsten Tag um 14:00 Uhr kommen sollte um das Motorrad einzupacken.
Dann telefonierte ich nochmal mit Mustafa um sicherzustellen, dass ich Asgar auch richtig verstanden hatte. Ich reichte Asgar mein Handy und dann begann eine längere Diskussion zwischen den Beiden. Als das Gespräch vorbei war meinte Asgar nur „Wait“ und „Mustafa call“. Ich interpretierte da so, dass Mustafa noch etwas klären wollte und dann zurück rief.
Dem war auch so. Nach ein paar Minuten kam der Anruf und Mustafa erklärte mir, dass ich schon um 10:00 Uhr kommen sollte und er für 12:30 Uhr einen Transport zum Hafen organisieren würde. Er musste abklären, ob die Zollabfertigung auch am Samstag möglich wäre.
Als das alles geklärt war, verließ ich die Werkstatt um 22:45 Uhr. Nicht ohne vorher noch darüber zu staunen, dass Asgar’s Angestellte in der Werkstatt über offenem Feuer Roti brieten. Und das bei all dem Holz und Sägemehl. Von Staubexplosionen haben die wohl auch noch nichts gehört. Und als wäre das alles völlig normal, lief auch noch ein Kaninchen durch die Werkstatt. Wenn man das nicht selbst gesehen hat, kann man es eigentlich nicht glauben.
Da das Restaurant in meinem Hotel schon um 22:00 Uhr geschlossen hatte, ging ich mit leicht knurrenden Magen ohne etwas zu essen ins Bett.
Motorradkiste Teil 2
| Datum | 07.03.2026 – Tag 146 |
| Start | Navi Mumbai |
| Ziel | Navi Mumbai |
| gefahrene Kilometer | 5 km |
| Kilometerstand | 58345 km |
Ich hatte schon wieder eine viel zu kurze Nacht. Abends konnte ich nicht einschlafen, weil ich mir zu viele Gedanken machte.
Als ich dann um 6:30 Uhr aufwachte um auf Toilette zu gehen, konnte ich auch nicht mehr einschlafen, da ich im Kopf durchspielte, was noch alles zu tun wäre. Ich blieb trotzdem liegen, bis um 8:30 Uhr der Wecker klingelte, um mich wenigstens noch etwas auszuruhen.
Das Frühstück war erneut sehr lecker. Es gab ein tolles Puri Sabji mit ganz frischem Brot. Ich aß eine große Portion in der Vorahnung, dass es heute über Tag wieder wenig zu essen geben würde.
Um 9:30 Uhr fuhr ich los zu Asgars Werkstatt.
Ich dachte ich kann ja ruhig etwas früher dort ankommen und schon mal beginnen die Außenspiegel und mein Top Case abzubauen. Dafür bräuchte ich Asgar nicht. Und jede gesparte Minute könnte am Ende wertvoll sein. Man weiß ja nie, was noch so alles schief geht. Insbesondere in solch einem Arbeitsumfeld.
Um 10:15 Uhr hatte ich das Top Case abgebaut und die Batterie abgeklemmt. Doch von Asgar war noch nichts zu sehen. Wir hätten uns besser für 9:30 Uhr verabredet.
Um 10:30 Uhr rief ich Mustafa an, doch er hob nicht ab. Das gleiche galt für Asger. Alles ziemlich nervig.
Um 10:45 Uhr kam Asger dann endlich an. Doch er wollte, dass wir das Motorrad im Dreck und vor allem auf einem extrem unebenen Untergrund verpacken.
Ich erklärte ihm vehement, dass das nicht geht und wir eine Ebene Fläche bräuchten. Ich zeigte ihm den Betonboden in der Werkstatt nebenan, in der gerade niemand arbeitete und die aus meiner Sicht ideal gewesen wäre. Doch aus irgendeinem Grund ging das nicht. Er hat die Leute dort nicht einmal gefragt. Stattdessen meinte er, wir müssten die Kiste in ein anderes Lagerhaus transportieren. Also organisierte er einen Kleinlaster und wir brachten die Kiste in ein Lagerhaus am Ende der Straße. Der Boden war zwar auch nicht perfekt eben, aber um Welten besser als es auf dem dreckigen Weg zu machen. Außerdem konnten wir so im Schatten arbeiten. In der prallen Mittagssonne wäre ich wahrscheinlich umgekippt.
Gegen 13:15 Uhr war das Motorrad endlich verpackt. Ich hatte lediglich vergessen die Werkzeugrolle einzupacken. Ich hoffte dass ich daran denken würde das bei der Zollkontrolle nachzuholen. Dort muss ja zumindest der Deckel nochmal geöffnet werden.
Doch von einem Lastwagen war weit und breit immer noch nichts zu sehen. Ich schätze mal, Mustafa hat den gar nicht vorher organisiert, sonder erst, als ich ihm geschrieben hatte, dass das Motorrad fertig verpackt sei.
Dann verschwand Asger und ich wartete mal wieder ohne zu wissen, wie es jetzt weiter geht. Um 13:45 Uhr tauchte Asger wieder auf und meinte der Laster wäre unterwegs.
Ich rief nochmal bei Mustafa an, ob ich mit dem Laster zum Hafen fahren sollte, oder ob wir die Zollinspektion erst am Montag machen würden. Die Antwort war: Montag.
Er würde mir die Zeit und den Ort wo ich hin kommen sollte noch mitteilen. Bin mal gespannt, ob das ohne Nachfrage funktioniert.
Ein paar Minuten später traf der Laster ein. Und wie ich befürchtet hatte, kam natürlich kein Gabelstapler, wie ihn Mustafa noch angekündigt hatte. Stattdessen machten wir es so wie schon in der Antike.
Asger schnappte sich ein herumliegendes Rohr und mit einer Eisenstange hebelten wir die Kiste so hoch, bis das Rohr darunter passte. Dann wurde von hinten so lange gehebelt bis das Rohr nach 30 Zentimetern in den Zwischenraum fiel, der eigentlich für die Gabelstapler Zinken gedacht war. Das wiederholten wir 7 oder 8 mal, bis das Motorrad am Tor angekommen war. Dort hievten wir die Kiste mit 6 Personen so hoch, dass der Laster rückwärts ran fahren und wir die vordere Kante der Kiste auf der Ladefläche abstellen konnten.
Dann gingen wir zu sechst nach hinten, hoben den hinteren Teil der Kiste hoch und schoben sie in den Laster. Ich hatte keine Ahnung woher die anderen Inder so plötzlich gekommen waren und warum die halben Hemden so stark waren, aber ich war froh, dass die Kiste im Laster war.
Ich machte davon noch ein Foto inkl. Nummernschild für den Fall, dass das Motorrad weg kommen sollte. Schließlich war das ja ein unbekannter Fahrer und falls irgendwer erwähnt hatte, dass sich in der Kiste ein teures Motorrad befände, dann könnte er ja auch auf die Idee kommen damit abzuhauen.
Ich hoffte inständig, dass der Fahrer gläubiger Hindu war und das schlechte Karma für einen solchen Diebstahl nicht riskieren wollte.
Asger rief mir nur fragend „Tuk Tuk“ zu, und als ich „yes“ sagte, fuhr er sofort los und war verschwunden. Ich nahm mir an der Straße ein Tuk Tuk zurück zum Hotel. Heute sollte ich 30 Rupien bezahlen. Vorgestern waren es noch 20 als Asger das Tuk Tuk für mich angehalten hatte.
Zurück im Hotel legte ich mich sofort ins Bett, tippte diese Zeilen hier und machte eine kleine Siesta.
Ich musste mich jetzt entscheiden, ob ich mein Hotel morgen wie geplant wechsele oder ob ich noch bis Dienstag hier bleibe um am Montag von hier zum Hafen zu fahren.
Und falls ich wechsele musste ich mir überlegen, ob ich in die Innenstadt wollte wo ich gute Anbindung zur Metro hätte, was natürlich gut wäre um am 16. zum Flughafen zu kommen, oder ob ich mir ein schönes Resort-Hotel etwas außerhalb suchte, wo ich dann komplett auf Sightseeing verzichten würde, mir dafür am Montag aber ein Uber zum Flughafen nehmen müsste, mit dem ich deutlich länger unterwegs wäre als mit der Metro.
Nach der etwas ausgedehnten Siesta ging ich um 18:30 Uhr ins Restaurant. Ich hatte ja schon wieder kein Mittagessen gehabt.
Ich bestellte mir heute zur Abwechslung mal chinesische Frühlingsrollen und Hakka Nudeln mit Hühnchen. Dazu ein Lassi.



































































































