
Langweilige Fahrt und Besorgungen in Amritsar

| Datum | 03.11.2025 – Tag 22 |
| Start | Malout |
| Ziel | Amritsar |
| gefahrene Kilometer | 205 km |
| Kilometerstand | 46394 km |
Eine weitere langweilige Fahrt erwartete mich. Ich konnte die Berge kaum noch erwarten. Ich verließ das edle Hotel und machte mich auf den Weg in Richtung Amritsar.
Da ich mich gestern Abend maßlos überfressen hatte und das Essen leider auch ziemlich scharf war, hatte ich heute morgen schon wieder leichte Probleme mit dem Darm. Ich entschied mich am nächstbesten Obststand anzuhalten und 2 Bananen zum Frühstück zu kaufen.
2 Stunden später hielt ich dann an einem kleinen Supermarkt, da ich nach einer Rolle Klopapier schauen wollte. Meine letzte habe ich heute morgen aufgebraucht. Selbst so ein edles Hotel hatte kein Klopapier.
Doch der Supermarkt hatte keins. Warum auch, ist in Indien ja nicht üblich. Deshalb kaufte ich mir ein Päckchen feuchte Tücher. Davon hatte ich zwar noch ein paar, aber die gingen auch langsam zur Neige.
Als ich die abgepackten Croissants sah, dachte ich mir, das wäre eine gute Gelegenheit für ein hygienisches, wenn auch nicht sonderlich gesundes Mittagessen. Dazu gab es dann noch eine kleinen Milch mit Vanillegeschmack.
In Amritsar angekommen war ich ein wenig entsetzt wie überfüllt die Stadt ist. Eigentlich ist es überall in Indien eng, doch hier kam es mir ganz besonders schlimm vor. Das erste Hotel, das ich ansteuerte hat mir auf Google sehr gut gefallen, hatte aber keinen sicheren Parkplatz. Lediglich ein paar Stellplätze direkt vor dem Hotel für alle frei zugänglich.
Das 2. hatte eine Tiefgarage. Eine Seltenheit hier in Amritsar. Als dann das Bett auch noch einigermaßen bequem war und der Preis mit 9€ pro Nacht ausgesprochen günstig, suchte ich nicht weiter. Es roch zwar recht stark nach Chlor und ich musste später feststellen, dass das Internet nicht funktionierte, aber Hauptsache das Motorrad steht sicher.
Da ich schon um 15:00 Uhr angekommen war, nutze ich den restlichen Nachmittag um ein paar Dinge zu erledingen.
Zuerst putzte ich meine Motorradkette und spannte sie ein wenig nach. Nach 3000 km war das mal nötig.
Anschließend duschte ich und brachte meine Klamotten in die Reinigung. Auch das war mal dringend nötig. Ich trug meine beiden Outdoorhosen jetzt schon 22 Tage lang ohne sie bisher einmal waschen zu können.
Als nächstes ging ich nochmal zum Friseur, da der letzte in Mumbai nur sehr wenig abgeschnitten hatte. Heute sollte es etwas radikaler werden.
Nun war es Zeit etwas zu Essen. Ich kam an einem Italiener vorbei, oder zumindest einem Restaurant, dass so etwas ähnliches wie italienische Gerichte auf der Karte hatte. Ich bestellte Paste mit einer Brokkoli-Hühnchen-Sahnesoße. Vom Brokkoli habe ich zwar nicht viel gesehen, doch es war sehr lecker. Und nicht ganz so scharf wie das indische Essen. Gegenüber war dann noch ein Straßenrestaurant, das Momos verkaufte. Da konnte ich nicht widerstehen und bestellte mir noch eine Portion hinterher. Sozusagen als deftigen Nachtisch.
Bei einem Obsthändler kaufte ich mir noch eine Dragon Fruit und 2 Bananen für’s Frühstück morgen.
Ach ja, und ich kaufte mir auch noch ein T-Shirt zum Schlafen. Ich hatte aus irgendeinem Grund nur 2 eingepackt. Und da ich die Baumwollshirts nicht so oft im Hotel durchwaschen kann wie die synthetischen Sachen, war es mir lieber 3 Stück zu haben. für 3,50€ auch keine riesige Investition.
Für morgen steht dann der Besuch des goldenen Tempels der Sikh an sowie eines ähnlichen Hindutempels.
Vielleicht schaffe ich es auch noch in eine Werkstatt zu fahren und meine vorderen Bremsbeläge wechseln zu lassen. Eigentlich wollte ich das ja selbst machen, doch in der Garage ist der Boden nicht betoniert. Die Betonpfeiler und -wände, die das Hotel tragen sind einfach auf den blanken staubigen Boden betoniert worden. Und dazu kommt noch, dass es kein Licht gibt. Nicht die besten Arbeitsbedingungen.
Besuch des Golden Temple – Harmandir Sahib
| Datum | 04.11.2025 – Tag 23 |
| Start | Amritsar |
| Ziel | Amritsar |
| gefahrene Kilometer | 30 km |
| Kilometerstand | 46424 km |
Heute besuchte ich den Golden Temple, Harmandir Sahib, das höchste Heiligtum der Sikhs.
Zuerst musste ich um mich zu reinigen durch ein Wasserbad waten um in den Komplex zu gelangen. Dann sah ich das Heiligtum in der Mitte des Sees. Zuerst besuchte ich jedoch noch kurz das Museum, in dem allerdings fast ausschließlich Bilder von berühmten Sikhs hingen.
Es war extrem viel los, da morgen „Guru Nanak Jayanti“, der höchste Feiertag der Sikhs ist, bei dem der Geburtstag des ersten Guru Guru Nanak gefeiert wird. Und da die Feierlichkeiten schon am Tag zuvor beginnen, pilgern tausende von Sikhs zum Harmandir Sahib.
Das war zwar einerseits super beeindruckend, andererseits aber auch ein wenig lästig, da ich um in das Heiligtum auf dem künstlichen See zu kommen, über eine Stunde anstehen musste. Dicht gedrängt in einer riesigen Menge von Indern.
In Mitten des Heiligtums saßen ein paar Musiker, die den ganzen Tag Gebete sangen und dazu auf traditionellen Instrumenten musizierten. Leider durfte man im inneren des Tempels nicht fotografieren. Ich machte trotzdem ein paar Bilder, allerdings nur an den Stellen, an denen ich dachte, dass es nicht sonderlich stören würde.
Am Ende meiner Besichtigung ging ich noch in die Gemeinschaftsküche „Langar“. Dort werden nach guter Sikh Tradition alle Gäste egal welcher Herkunft und Religion bewirtet. Sie gilt als die größte Küche der Welt in der täglich 50.000 bis 100.000 Besucher verköstigt werden. An Feiertagen wie diesem sogar bis zu 150.000.
Ich hatte die Chance die Töpfe zu fotografieren und wurde anschließend von einem Inder angesprochen, der mich ein Stockwerk nach oben führte, wo ich sehen konnte, wie das Chapati Brot vor- und zubereitet wird.
Auf dem Weg nach draußen habe ich dann noch 3 Nonnen gesehen. Die wollten sich wohl mal die Konkurrenz anschauen.
Von hier ging ich in den benachbarten Park „Jallianwala Bagh“, in dem die Briten am 13. April 1919 ein Massaker an 15.000 friedlichen demonstranten begangen, bei dem nach offiziellen Zahlen 379 getötet und 1200 verletzt wurden. Die inoffiziellen Zahlen liegen deutlich darüber.
Gegen 14:00 Uhr verließ ich den Park und ging zurück zu meinem Hotel. Ich wollte ja noch mit dem Motorrad in die Werkstatt und meine vorderen Bremsbeläge wechseln lassen bevor es in die Berge geht. Dort werden sie deutlich mehr beansprucht als auf dem flachen Land. Da muss man nur ab und zu für eine Kuh auf der Straße bremsen.
Ich steuerte eine Honda Werkstatt an, deren Bilder auf Google Maps mir einen guten Eindruck machten, doch mir wurde gesagt, dass ich in eine Yamaha-Werkstatt fahren müsste, da in Indien, die Markenwerkstätten nur an Motorrädern der eigenen Marke arbeiten dürften. Somit musste ich quer durch Amritsar fahren, da die Yamaha Werkstatt auf der anderen Seite der Stadt liegt. Und da mein Motorrad zu breit für die schmale Einfahrt war, hat der Mechaniker mir die Beläge einfach auf der staubigen Straße gewechselt. Das wollte ich ja eigentlich vermeiden. Sonst hätte ich es auch selbst in der Hotelgarage machen können. Aber egal. für 2€ Arbeitslohn habe ich mir zumindest den Aufwand erspart.
Jetzt fuhr ich noch zum Decathlon, der in der Nähe war, um nach einer Luftmatratze zu schauen. Doch sie hatten nur ein komfortable, große und schwere Matratze, die ca. 1/4 des Platzes in meinem Koffer gebraucht hätte. Das war mir natürlich viel zu groß.
Ich versuchte es noch in großen Malls, doch die Outdoor-Läden dort hatten gar keine Luftmatratzen. Zumindest nutzte ich die Chance in der Nexus Mall in einer einigermaßen hygienischen Umgebung eine Hühnchen Lasagne zu Essen.
Zurück im Hotel hörte ich verstörende Geräusche aus dem Gebäude gegenüber und ein paar Minuten später kamen ein paar Leute raus, die dann auf der Straße randalierten. Da das Tor zur Tiefgarage noch offen war, hatte ich ein wenig Angst um mein Motorrad, doch schon nach wenigen Minuten kam die Polizei und die Randalierer suchten das Weite.
Auf in die Berge …

| Datum | 05.11.2025 – Tag 24 |
| Start | Amritsar |
| Ziel | Banikhet |
| gefahrene Kilometer | 195 km |
| Kilometerstand | 46619 km |
Ich verließ mein Hotel und steuerte eine Tankstelle an, bei der ich im Internet gesehen hatte, dass sie 95 Oktan Benzin verkauft. Das bekommt man hier leider nicht überall. Blöderweise hat Google mich mal wieder auf eine „Straße“, die ich nicht fahren konnte. Ich fuhr so weit ich kam, mitten in ein Gebüsch hinen und dann stad ich vor einer steilen Abfahrt die in einem Feld endete. Es war ein ziemlicher Kraftakt, das schwere Motorrad auf dem Feldweg zu wenden. Irgendwann hatte ich es geschafft und war schweißdurchnässt. Ich fuhr über die Hauptstraße zur Tankstelle, die Google Maps dasnn ironischer weise als „gleich schnell“ angab.
Jetzt hielt ich am nächstbesten Restaurant, um meine Motorradjacke in die Sonne zu hängen, so dass sie trocknen konnte. Und ich natürlich auch. Wie immer gab es ein Paneer Paratha, doch ich habe das Gefühl, dass sie hier im Norden nicht so gut sind wie in Mumbai, Gujarat oder Rajasthan.
Nach weiteren 2 Stunden langweiliger fahrt kam ich endlich in die Berge. Von den Hohen Gipfeln des Himalayas ist zwar wegen der dunstigen Luft nichts zu sehen, doch je näher ich meinem Ziel kam, desto bergiger wurde es. Endlich macht auch das Motorradfahren Spaß.
In Banikhet hatte ich mir ein paar Hotels rausgesucht, doch die lagen alle an der Hauptstraße und hatten keine Tiefgarage. Daher steuerte ich gleich das Hotel Dalhousie Delight an, das etwas abseits in einer Nebenstraße liegt. Ich denke hier steht mein Motorrad einigermaßen sicher. Und das Zimmer ist auch sehr schön.
Der Hotelier empfahl mir nicht ganz uneigennützig 2 Nächte zu bleiben und morgen nach Khajjiar zu fahren, das aud Google Maps als „Mini Switzerland“ bezeichnet wird.
So kann ich auch mal wieder richtig ausschlafen. Zu früh kann ich sowieso nicht los fahren, da es hier am Morgen noch arschkalt ist. Und die kleine Straße macht mit leerem und leichten Motorrad sicherlich auch fiel mehr Spaß.
Ich hatte auch kurz überlegt anschließend über Killar und Tandi nach Manali zu fahren, doch als ich sah, dass in Killar und Manali die Temperaturen tagsüber auf 10 Grad und nachts auf -12 Grad sinken und es dort heute und morgen schneien soll, verwarf ich diese Idee schnell wieder. Obwohl es sicher eine sehr schöne Strecke gewesen wäre.
Am Abend aß ich in meinem Hotel und fragte noch nach einer zweiten Decke, da auch hier die Temperaturen in der Nacht auf 7 Grad fallen und es keine Heizung gibt, Schlimmer noch, das Hotel hat nicht mal eine Tür. Man kommt über eine offene Treppe direkt in den Speisesaal, neben dem mein Zimmer liegt. Und die Fenster sind auch nicht sonderlich gut isoliert. Ich hoffe, ich werde heute Nacht nicht erfrieren. Ich habe sicherheitshalber schon mal die Wintersachen aus dem Motorrad ausgepackt.




































































